social media – Segen oder Fluch?

Im zweiten Beitrag des Funkkollegs ging es um social media.
Klar kennen wir. Nutzen wir. Und auch nicht allein. Immerhin sind es ca.21 Millionen Deutsche, die die sozialen Medien wie wir im Deutschen sagen, nutzen. Mit steigenden Tendenz. Egal ob Twitter, facebook oder wkw, hier tummeln wir uns, wir tauschen Kurznachrichten (tweets) aus, zeigen anderen was uns gefällt und pflegen Kontakte. Ist das nun Segen oder doch ein Fluch?

Die Übersetzung des Wörtchens „social“ in sozial im Deutschen ist aber schon nicht wirklich korrekt. Denn im Deutschen verbinden wir sozial mit einer gesellschaftlichen Verantwortung, die dem englischen Wort fehlt. Schon deshalb sind social media Angebote etwas anders zu betrachten. Es geht nicht unbedingt rein um die Pflege seiner realen Freundschaften. Viel mehr ist es ja so, dass man wie man schon in den 1970er Jahren in Netzwerkstudien herausgefunden hat, dass ein aufgebautes Netzwerk aus flüchtigen Bekannten als Jobmotivator gilt sowie bei einem Ortswechsel schnell zu neuem Anschluss führt und neue Bekannte und Freunde finden lässt. Und auch facebook, dass wohl größte Netzwerk momentan, kann zur Netzwerkpflege genutzt werden.

Ja, man kann über facebook Kontakte pflegen. Seien es nun reale Kontakte des real life oder Kontakte, die wir im Netz knüpfen. Wiederfinden von alten Schulkameraden oder vergessenen Verwandte. All dies ist möglich und wird täglich praktiziert. Aber facebook kann mehr. So ist es nicht nur als Kontaktpflege nützlich, sondern kann auch als Lernplattform dienen. Dabei geschieht dies in öffentlichen oder geschlossenen Gruppen und der Austausch funtioniert auch mal asynchron. Ein enormer Vorteil, wenn verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Orten und eventuell sogar noch Zeitunterschieden an einer gemeinsamen Sache arbeiten. Man muss sich nicht mehr zwingend face-to-face treffen und so kann man unter Umständen Expertenwissen bündeln, an welches man ansonsten ggf. nicht hätte verwenden können.

Und doch ist es nicht nur ein Segen. Denn wir geben unsere Daten preis. Daten mit denen die Anbieter personenbezogene Werbung zusammenstellen. Sie bieten ihre Dienste an, aber dennoch sind sie nicht kostenlos. Wir bezahlen die Benutzung mit unseren Daten.
Natürlich sind wir dabei. Wir können selbst entscheiden zum größten Teil, was wir preisgeben, was wir auf den social media Angeboten posten. Es sollte uns immer bewusst sein, dass unsere „Freunde“ nicht unsere Freunde des realen Lebens sind, sondern eher so etwas wie „schwache Bindungen“. Bindungen, die wie oben schon beschrieben u. a. zur Kontaktpflege und -aufrechterhaltung nutzbar sind. Und damit ist es zumindest ein halböffentlicher Rahmen, in dem ich meine Nachrichten, Anmerkungen, Lebensereignisse, Meinungen oder was auch immer mitteile. Und damit nicht genug. Es sollte einem bewusst sein, dass diese Nachrichten weiterverbreitet werden können, in retweets, beim Teilen in facebook oder auch durch „likes“ oder „gefällt mir“. Laut Jan-Hinrik Schmidt, Soziologe am Hans-Bredow-Insitut, sind unsere Instikte und unsere Gewohnheiten noch nicht an social media angepasst. Unsere Alarmglocken läuten nicht unentwegt. Sie sagen uns nicht, dass wir darauf achten sollten, dass all unsere Daten gespeichert werden, dass wir mit den Daten die Dienste „bezahlen“, damit diese sie kommerzialisieren und auf eine sehr lange Zeit speichern. Eine Zeit, die wir nicht abschätzen können. Was mache ich in 20 Jahren und wird mich dann meine „facebook-Vergangenheit“ einholen? Mich den Job kosten? Mir die Ausbildung verwehren? Falls ich in der Politik oder anderswo lande, mir das Genick brechen? – Fragen, die wir bisher noch nicht beantworten können. Langzeitstudien können noch nicht abgeschlossen sein, sofern welche beauftragt wurden. Wird sich durch social media ein gesellschaftlicher Wandel vollziehen, so dass uns später egal ist, dass wir auch eine Jugend hatten, in der wir mal über die Stränge geschlagen haben oder wird es dahin gehen, dass Jugendliche fortan von klein auf darauf getrimmt werden, möglichst wenig preiszugeben? Ihr Leben radikal einzuschränken und sich nicht mehr wie üblich dem Rollensuchen, dem Ausprobieren in der Jugendzeit hinzugeben?

Facebook als Bühne, diese Metapher finde ich sehr gelungen. Facebook als Bühne, um in eine andere Rolle reinzuschlüpfen. Eine Bühne der öffentlichen Vernetzung im halb- bzw. öffentlichen Raum. Eine Möglichkeit der Selbstdarstellung, die im real life nicht immer möglich ist. Laut Jan-Hinrik Schmidt kann man facebook als Identitätsmanagment betrachten. Ähnlich wie es Erikson beschreibt, dass man seine Rolle finden muss, kann man auf facebook sich austesten. Schauen,ob man für seine Internetidentität „likes“ bekommt, Bestätigung, oder eben nicht, ob man sich selbst gefällt oder es doch wieder ändert.

Social media kann etwas, Web 2.0 auch. Aber wir dürfen die Medienkompetenz nicht außer Acht lassen. Die Medien verstehen lernen und nicht nur bedienen. Verstehen lernen, was sie mit uns machen, aber was auch wir mit ihnen machen können.
Gerade als Blogger gestaltet man die Internetwelt mit, man ist nicht nur reiner Benutzer und verteilt likes oder gefällt mir`s. Bei einem hinterlassenen Kommentar ist es etwas diffiziler, mal ist man reiner Benutzer, mal kann man etwas damit bewegen und gestaltet durch seine Informationsweitergabe mit.

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