Eine Testung jagt die nächste

Unser Kind ist manchmal anstrengend. Okay, dass ist jedes Kind mal. Doch an so manchen Tagen artet es hier aus. Es ist kaum ertragbar. Wir schaffen rein gar nichts und alle sind am Ende des Tages genervt. Auch das kommt in vielen Familien vor und doch haben wir das Gefühl, dass es nicht ganz normal abläuft hier. Ich bin ein geduldiger Mensch, schon ganz zwangsläufig bei drei Kindern. Ich bin belastbar und eigentlich denke ich, dass unsere Familie läuft. Es läuft nicht besonders gut und vieles ist verbesserungswürdig, aber so im Ganzen gesehen ist es super und für uns passend. Verbessern kann man immer. Nicht so dramatisch.

Doch ich stoße immer öfter an meine Grenzen. Dieses Kind ist anstrengend und trotzdem muss man es einfach lieb haben. Aber die Einschulung steht auf dem Plan und leider kenne ich unser Schulsystem. Es ist für dieses Kind nicht gemacht. Aber was ist zu tun?
Wirklich wissen tun wir es nicht. Aber wir möchten ihm helfen. Was macht man in solch einem Fall – genau Besprechung mit dem Kinderarzt, der Ergotherapeutin und dem Kindergarten. Daraufhin haben wir uns entschlossen unser Kind vom Kinderpsychiater testen zu lassen, um herauszufinden, ob alles in Ordnung ist und er sich normal entwickelt und so die Schule meistern wird.

Eigentlich habe ich keine Bedenken, dass unser Kind die Schule nicht meistern wird, ich zweifle nur, ob alles gut gehen wird oder er abgestempelt wird. Nur so Bedenken in diese Richtungen sind schon erschreckend. Erschreckend ist diese Welle, die sie nach sich ziehen. Erst die Testungen beim Kinderarzt, immer wieder, immer wieder im motorischen Bereich, der dem Kind weniger Probleme bereitet und den es durch stetige Wiederholung immer besser bewältigt, Fazit: So kann ich Ihnen keine Ergotherapie weiter verschreiben?
Hääää, bitte! Seine Schwächen liegen doch klar in anderen Bereich. – Ach, was soll’s. Darüber spreche ich wohl besser mit dem Psychiater, der die Weiterführung lt. Kinderarzt entscheiden soll.

Beim Kinderpsychiater laufen die Testungen noch.
Da kommt die Schuleingangsuntersuchung. So weit so gut. Alles prima geklappt, aber das Kind bekommt Ergotherapie. Ja, dann sollte die Amtsärztin ihn sich noch einmal genauer anschauen. Und was Sie da so erzählen, mmmh, irgendwie komisch. Ach, ich kläre das mal bei uns im Amt ab. Die Testung heute zeigte keinerlei Auffälligkeiten, eher im Gegenteil.

Einige Wochen sind seit dem vergangen. Heute dann eine weitere Testung beim Gesundheitsamt in Richtung Frühförderung, denn man könne nicht auf die Ergebnisse der Kinderpsychiatrie warten, dann wäre es für Frühförderung zu spät. Das soll man noch verstehen.
Wir haben verschlafen. Schnell angezogen, ab ins Auto, Joghurt unterwegs gefrühstückt, schwupp hinein ins Amt. Was soll ich sagen: Mein Kind war super. Einige kleine Schwierigkeiten, aber ansonsten hat er eher verblüfft. „Ich habe noch kein Kind erlebt, welches sich fünf Zahlen merken konnte.“
Und ich dachte nur, tja hätten Sie ihm sechs oder sieben gesagt, so hätte er sicherlich auch diese noch wiederholt. Das Kind hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen.
Nur wer fördert beides?  Eines weiß ich, allein zuhause mit allen dreien schaffe ich es wohl kaum. Und leider haben wir nicht den nötigen finanziellen Backround, um dem Kind alle möglichen Kurse anbieten zu können. So heißt es erst einmal abwarten, was den beim Kinderpsychiater herauskommt. Die machten einen wirklich seriösen und kompetenten Eindruck. Ich bin gespannt und bis dahin schlagen wir uns hier durch.

Es stehen jetzt aber leider dann doch noch weitere Arzttermine für ihn wie für mich auf dem Plan, denn einer muss auch immer mit und meist die anderen beiden Dötze auch. Mitgehangen, mitgefangen.

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3 Gedanken zu “Eine Testung jagt die nächste

  1. Oh jee, auch wenn ich nicht ganz durchblicke warum euer Kind anstrengend ist, ich kann dich gut verstehen.
    Bei uns war es ähnlich. Erst hieß es von Kindergarten aus, unser Sohn hätte ganz bestimmt ADHS, das hat er nicht, dann war er hochbegabt und und und. In der Schule hat er seine Frustrations-Aggressions-Chose in der 1. Klasse noch durchgezogen, aber da er eine unglaublich tolle Klassenlehrerin hat, ist er mittlerweile in der 3. Klasse angekommen und nur in ganz seltenen Momenten blitzt das „ungehaltene“ Kind noch durch.

    Wir standen sicherlich vor ganz anderen „Problemen“ als ihr jetzt, aber ich weiß was es heisst von einer Ecke zur Anderen zu rennen um seinem Kind den bestmöglichen Einstieg in das Schulleben zu ermöglichen.

    Dein „Ende“ liest sich ja schon ganz gut und auch wenn jetzt noch einiges vor euch liegt, irgendwie wirds bestimmt schon werden!! Meine Daumen sind gedrückt! 🙂

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