Halloween – mitmachen oder ignorieren?

Morgen ist Halloween, zumindest in Amerika. Aber morgen ist auch Reformationstag und der Abend vor Allerheiligen.

Morgen ist Halloween, zumindest in Amerika und auch hier ziehen immer mehr verkleidete Kinder durch die Straßen und sammeln Süßes. Saures gibt es nur selten, dann aber häufig heftig und es kommt vermehrt zu Sachbeschädigungen. Eine Entwicklung, die ich erschreckend finde.

Nur soll man sich diesem amerikanischen Brauch hingeben oder im etwas entgegensetzen?
Ich finde es sehr schwierig. Wenn ich dem wikipedia Beitrag folge, dann ist der Ursprung des Halloweenfestes im katholischen Irland zu finden, wenn auch nicht durchgängig und wissenschaftlich exakt belegt. Ein Fest, um den Sommer zu beenden, böse Geister zu vertreiben. Böse Geister vertreiben lässt sich auch an anderen Festen beobachten, gerade auch die Fastnacht im südlichen Raum ähnelt diesem. Und interessant im wikipedia Artikel (unter Charakter zufinden) sind die Hinweise auf ähnliche Bräuche im deutschsprachigen Raum um den 1. November wie die Rübengeister. So unähnlich ist es nun nicht.

Dem gruseligen Verkleiden kann ich persönlich nichts abgewinnen und noch weniger den Sachbeschädigungen und dem Vandalismus. Aber dramatisch finde ich es nicht, wenn Kinder von Haus zu Haus ziehen und ihre Kostüme präsentieren und eine Kleinigkeit dafür bekommen. Hier besteht wieder eine Verbindung zu den Rübengeistern, aber auch zum protestantischen Martinisingen oder dem nordischen Rummelpottlaufen, nur dass hier sich nicht verkleidet wird, um Süßigkeiten wird alle mal „gebettelt“.

Dabei sein oder die Türe versperren?
Wichtig finde ich es, dass man sich in der Nachbarschaft abspricht, wo die Kinder klingeln dürfen und wo eben nicht. Eier und Tomaten nach den Kindern werfen, finde ich ebenso verwerflich wie lautes Gebrüll und die oben erwähnten Sachbeschädigungen. Ob unsere Kinder morgen Abend umherlaufen, weiß ich noch gar nicht – aber wenn, dann nur in der engsten Nachbarschaft als kleiner Gag und mehr dann aber auch nicht. Wir haben das irgendwann einmal so abgesprochen hier und so finde ich es auch in Ordnung.
Kürbisse haben wir schon ausgehöhlt. Leider sind sie mittlerweile ziemlich vergammelt, wie das nun mal nach zwei Wochen so ist. Aber vor die Türe stellen wir sie trotzdem noch mit einem kleinen Licht darin (böse Geister kann man schließlich nie genug vertreiben).
Als ich so im Netz umherschwirrt, bin ich auf zwei interessant, aber ganz unterschiedliche „Protestaktionen“ gestoßen: 

So ruft frischfischen.de zu einem Halloweenspiel auf und will die Kinder an der Haustür mit einem Gutschein versorgen, der ihnen verspricht, wenn sie als Sternsinger um den 6.Januar wiederkommen, dass sie dann mit Süßigkeiten entlohnt werden.

Und ein weitere Idee, die ich sogar noch wesentlich interessanter finde, kommt von der evangelischen Kirchengemeinde. Diese verteilt an Halloween LUTHscher mit einer Banderole, die an den Reformationstag erinnert und einen Link mitliefert. Denn die Protestanten feiern am 31.10. den Reformationstag und eben nicht Halloween.
Auch wenn ich Katholik bin, überlege ich gerade ob auch ich morgen Abend LUTHscher verteile anstatt „nur“ Süßigkeiten. Die Idee gefällt mir gut, gerade weil eben auch noch ein christliches Fest weitergeben wird und es etwas Protest ist gegen Halloween, aber eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Sternsinger werden aber auch nicht leerausgehen, doch nicht jedes Kind hat die Möglichkeit bei der Sternsingeraktion dabei zu sein – sei es aus religiösen oder zeitlichen Gründen.

Und was macht ihr? Dürfen die Kinder bei euch klingeln oder nicht?
Geht ihr selber los?

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3 Gedanken zu “Halloween – mitmachen oder ignorieren?

  1. wir feiern, aber auch nur notgedrungen, weil meine Tochter,das schlaue Kind, sich den 26.12 für ihren Geburtstag ausgesucht hat- undenkbar, da eine Feier mit Gästen auf die Beine zu stellen. Somit ist Halloween eine nette Alternative, die auch freundlicherweise ein Thema mitliefert, was die Partyplanung erleichtert und den Abend verkürzt. Durch das Dorf ziehen werden die Kinder nicht, denn wir sind hier strengst katholisch und ich muss das nicht ausbaden, was die Nachbarn dann an moralinsauren Predigten vom Stapel lassen. Ich denke, leben und leben lassen. Wer felsenfest in der evangelischen Kirche verhaftet ist, wird sicherlich nicht auf die aus seiner Sicht dann gerechtfertigte obskure Aktion kommen, Halloween zu feiern. Wer das nicht ist, und für wen Halloween ein Heidenspaß ist, darf aus meiner Sicht gerne tun und lassen, was er möchte, solange es nicht in Sachbeschädigungen ausartet. In Bayern gab es oder gibt es die Freinächte, in Österreich den Krampus, wo Ausschreitungen an der Tagesordnung sind; das finde ich nicht in Ordnung. Aber die Knirpse durch die Gegend ziehen zu lassen – ich sehe da nichts schlimmes daran.

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  2. Ich bin ja eigentlich ein totaler Fan von den amerikanischen Kitschkram. Ich mag Halloween auch total gerne. Aber bei mir klingeln sollen die Kids nicht. Dieses ewige zur Tür gerenne und jedes Mal springen die Hunde an. Nee, wir sind morgen einfach nicht da. 😉

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  3. Amirabai

    Als ich das erste Mal mit Kindern konfrontiert war, die bei mir klingelten und mich mit Süßes oder Saures bedrohten, war meine Reaktion entsprechend: „Ich lasse mich doch nicht bedrohen und jetzt geht.“ Allerdings mag ich Kinder und ich bin selbst als Kind bei uns zu Nikolaus umhergezogen und habe für mein wesentlich freundlicheres Sprüchlein eine Kleinigkeit bekommen. Nachdem ich also etwas darüber nachgedacht hatte, habe ich auch zu Halloween und nicht nur zu Nikolaus etwas zum Verteilen zu Hause.

    In unserer Gegend ist es auch eher so, dass es jetzt eben Nikolaus gibt und Halloween, die sich nicht grundsätzlich unterscheiden. Die alte Tradition wurde stark auf die neuen Gepflogenheiten übertragen und die dunklen Aspekte von Halloween kommen zumindest bei den Kindern wenig zum Tragen. Karneval, Halloween, Nikolaus: Verkleiden, Feiern, Geschenke bekommen, insgesamt sehr darauf konzentriert und auch gewissermaßen eines tieferen Sinnes entleert wie es vielen Traditionen und Gepflogenheiten im Laufe ihrer Geschichte so ergeht, gerade wenn sie über Medien aus ihren traditionellen Zusammenhängen herausgerissen über tausende von Kilometern hinweg in andere kulturelle Zusammenhänge transportiert werden. Was bleibt ist die Verbindung der Menschen im gemeinsamen Konsum einer globalisierten Welt.

    Möglicherweise ist der sinnvollste Umgang damit, sich eigene persönliche, familiäre oder Gruppenwerte zu setzen und Feste und Riten diesen entsprechend zu feiern. Und dabei vielleicht auch Halloween zu integrieren, weil es gefällt, dieses Mal aber mit einer tieferen Bedeutung, die man persönlich oder als Gruppe diesem Fest zuordnen kann. Und das könnte dann z.B.auch eine Neuinterpretation von Samhain sein, einem der keltischen Feste, das als Wurzel für Halloween betrachtet wird. Und dann könnte Halloween zu einem Tag werden, an dem den dunklen Kräfte der menschlichen Existenz in ihrer mystischen Interpretation respektvoll geehrt werden, denn mit dunklen Kräften kommt man durchaus besser zurecht, wenn man sie nicht verdrängt sondern ihnen respektvollen einen Platz an der Tafel des Lebens zuweist. Auch das Königspaar bei Dornröschen hätte sich einigen Ärger ersparen können, wenn sie die dreizehnte Fee eingeladen hätten. Dunkle Kräfte haben die Neigung sich bei Respektlosigkeit und Missachtung zu rächen.

    Es ist eine alte Geschichte, mit der sich schon unsere Vorfahren intensiv beschäftigt habe. Wie geht man mit all diesen Dingen um, die im menschliche Leben die Sicherheit fortwährend bedrohen? Halloween bietet sich als der Tag an, an dem all diesen dunklen Ängsten und Gestalten ein Raum gewährt wird, für diese eine einzige Nacht. Dadurch werden sie integriert. Allerdings gehe ich auch davon aus, dass die unterschiedlichen Religionen ihre je eigenen Wege gefunden haben, genau diese Integration zu leisten oder eben andere Wege mit der dunklen Bedrohung umzugehen. Genau daher kann sich eine spezifische Religion und Halloween auch ausschließen.

    Unterm Strich finde ich keinen allgemeinen Lösungsvorschlag, nur wieder einmal die Aufforderung sich die Welt in immer wieder neuer Weise zu erklären. Herausforderung, Chance und Überforderung gleichzeitig. Eben so wie sich die momentane Welt in ihrer Gesamtheit darstellt. Und schon wieder lacht Novalis‘ Schmetterling im Blinzeln eines Augenblicks durchs Weltall. Möge er noch lange fliegen.

    Ich habe kürzlich gehört, die Schmetterlinge sind auch vom Aussterben bedroht.

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