[Buch]“Und was jetzt?“

Bärbel Kerber hat mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar ihres Buches „Und was jetzt?“ zur Verfügung gestellt. Sie behandelt ein spannendes Thema darin wie der Untertitel „Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ schon verrät.

Das Buch

Die Thematik Beruf, Karriere, Kind ist keine neue und doch ist sie immer genau in dem Moment spannend, indem man als Frau oder auch als Paar genau vor dieser Entscheidung steht. Was spricht für ein Kind? Was spricht für eine Karriere? Lassen sich Beruf und Kind vereinbaren? Kann ich auch ohne Kinder glücklich werden? Fragen, auf die es keine universelle Antwort gibt. Jeder Mensch ist unterschiedlich und jeder Lebensweg ist unterschiedlich. Ich kann da nur von meinem Lebensweg und meinen Erfahrungen berichten und kenne die Geschichte meiner Eltern. Deshalb fande ich es spannend, dass Bärbel Kerber die Thematik von den unterschiedlichen Perspektiven der Karrierefrauen, der Familienmütter, der arbeitenden Mütter, der Alleinerziehenden geschrieben hat. Man bekommt einen Einblick darin, welche Gedanken sich Frauen machen. Immer wieder unterstreicht sie ihre Aussagen durch Zitate aus einer Befragung von Frauen. Dies lässt das Buch authentisch wirken und zeigt lebhaft die Gefühlswelten, die teils in absolutes Chaos ausbrechen können.

Und doch beschränkt sich das Buch nicht nur auf die Gefühlswelt der Frau, sondern veranschaulicht auch die Arbeitswelt. Appelliert an unsere Gesellschaft flexibler zu werden und sich familienfreundlicher aufzustellen. Sind heutige Arbeitsmodelle wirklich mit einer Familie vereinbar? Jein, denn es ist stark Job und Arbeitgeber abhängig. Und auch die Betreuungssituationen haben sich in den letzten Jahren schon deutlich verbessert, sind aber immer noch nicht perfekt. Aber werden sie es jemals sein?

Eigene Erfahrungen

Ich kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen. Unsere älteste Tochter ist 12 Jahre, ungeplant aber herzlich willkommen. Wir leben in einer Kleinstadt im ländlichen Münsterland. Vor zehn Jahren gab es noch keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei und erst recht nicht unter zwei Jahren. Der Arbeitsmarkt war überfüllt und für eine Mutter mit Kleinkind ohne familiäre Unterstützung war es nicht möglich arbeiten zugehen. So bin ich drei Jahre zu Hause geblieben und dann kam Nummer zwei auf die Welt. Im Jahr darauf bin ich mit dem Studium an der Fernuniversität in Hagen angefangen, um wenigstens etwas zu tun und mein Traum eines Studiums auch mit Kind bzw. mittlerweile zwei Kindern mir erfüllen zu können. Ein Präsenzstudium war nicht möglich. Die Betreuungsmöglichkeiten war nicht da. Der Sohn war dann der erste Jahrgang, der mit zwei Jahren in den Kindergarten kam. Ich studierte weiter, bekam noch Kind Nummer drei.
Als die Tochter dann in die Schule kam, war da der Ganztag nur für wenige Kinder ausgebaut. Doch hier entwickelte sich etwas. Heute ist es so, dass ich immer noch studiere. Das kleinste Kind nun in die Schule kommt. Nebenbei gebe ich VHS-Kurse.

Die Möglichkeiten Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen haben sich verbessert im Gegensatz zu vor zehn Jahren und doch bleibt es ein Spagat wie auch Bärbel Kerber beschreibt. Als Paar müssen wir stets gut planen wer wann die Kinder abholt und betreut. Wir nutzen keinen Ganztagsplatz, sondern bisher nur die längere Betreuung im Kindergarten, die dann ab dem Sommer mit der Schule entfällt. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass man sich einen Ganztagsplatz im Hort auch erst einmal leisten können muss. Zudem haben wir ein besonderes Kind, welches mehr Aufmerksamkeit benötigt und Therapien bekommt, zu denen wir es bringen müssen. Es ist immer ein guter Plan und viel Flexibilität und Spontanität gefragt, um den Familienalltag mit drei Kindern und dem Beruf meines Mannes, mein Studium sowie meine Dozententätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Für mich stellt sich die Frage, ob es immer die Karriere sein muss? Ich bin schon zufrieden, wenn ich demnächst eine adäquate Arbeitsstelle bekomme, die im Idealfall unser Haushaltsbudget aufstocken lässt und wir uns einen Urlaub im Jahr leisten können. Denn wer sich für die Familie entscheidet hat auch immer finanzielle Einbußen. Uns hat das bisher wenig ausgemacht, aber auf Dauer ist es dann auch keine Lösung.

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Das Fazit

Ich kann das Buch jedem empfehlen. Ob Frau, ob Mann, ob Mitte zwanzig oder Ende fünfzig. Es zeigt die unterschiedlichen Perspektiven und regt zum Nachdenken an. Es ist Bärbel Kerber gelungen in ihrem Buch den Spagat zwischen den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten von Frauen darzustellen und für eine offener, tolerantere und familienfreundlichere Gesellschaft zu werben.
Wenn ich nun vor der Entscheidung stünde, Kind ja oder nein, was würde ich machen? Das ist nicht einfach, aber viele in meinem Alter (34) stehen genau jetzt davor. Ich wünsche euch viel Kraft und den Mut eure Entscheidung zu leben. Egal ob du dich für ein Kind oder gar mehrere Kinder entscheidest oder für den Beruf und die gewollte Kinderlosigkeit, stehe dazu und lass dich nicht beirren, aber vergiss nicht deinem Partner mit in deine Entscheidung einzubeziehen. Ansonsten ist die Beziehungskrise meist leider vorprogrammiert, wobei schon wieder eine neue Facette geöffnet wird.
Vergesse mag ich auch nicht die Paare, die gerne Kinder bekommen würde, es leider aber nicht möglich ist. Redet miteinander. Ihr werdet euren Weg finden, ob mit einem angenommenen Kind, keinem Kind oder als besondere Tante oder besonderer Onkel. Das Leben ist immer für eine Überraschung gut.

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