Fernseher als Babysitter?

Die Reihe rundum die Medien beginnt mit dem Fernsehen. Das zweijährige Kind schreit und quengelt. Die Mama ist genervt. Alle Bücher sind mehrfach vorgelesen worden. Der Papa kommt aber erst in 15 Minuten. Die Bauklötze bringen auch keine Abwechslung mehr und draußen regnet es schon seit Stunden und an spazieren gehen ist nicht zu denken. Was nun? Irgendwann macht man wie aus Reflex das Fernsehen an und schaut nach einer Kindersendung. Häufig hört das Gebrüll dann auf, Mutter und Kind können durchschnaufen und zur Ruhe kommen. Aber ist das auch pädagogisch wertvoll? Waren da nicht die Warnungen, dass durch Fernsehkonsum die Sprachentwicklung eingeschränkt wird? Und wie mache ich das überhaupt später mit mehreren Kindern? Ab wann kann ein Fernsehen in das Kinderzimmer einziehen oder gar nicht? 

Eigene Erfahrungen mit den Kleinsten

Das Thema Fernsehen ist wie die komplette Thematik des Medienumganges sehr komplex und es gibt keine pauschalen Richtlinien, an die wir Eltern uns halten können. Jedes Kind ist anders, hat unterschiedliche Interesse und unterschiedliche Bedürfnisse. Bei uns in der Familie kann man dieses sehr schön am Thema Fernsehen erkennen. Als die Große noch klein war durfte sie mit ihren 2 – 3 Jahren auch gelegentlich schon fern sehen. Wir haben in den Morgenstunden hin und wieder eine halbe Stunde zusammen (!) eine Kinderserie auf dem Kika angesehen. Danach war der Flimmerkasten wieder aus. Sie folgte aufmerksam den Serienfiguren. Danach hat sie die Handlung als Anregung für ihr eigenes Spiel benutzt. Der Sohn im selben Alter allerdings hat auf das TV-Programm gänzlich anders reagiert. Er hat starr davor gesessen und war auch kurze Zeit später noch „geflasht“. Nach dieser Erkenntnis hat er deshalb deutlich weniger ferngesehen und wir haben uns immer wieder während einer Sendung mit ihm unterhalten, um ihn nicht völlig gefesselt davor sitzen zulassen. Die Kleinste ist immer von alleine herausgegangen aus dem Zimmer, wenn es ihr zuviel wurde oder es zu spannend war. Zu der Zeit haben die beiden älteren Geschwister auch schon mal mehr fernsehen dürfen und das Programm passte dann eben nicht für eine Zweijährige. Durch die älteren Geschwister kannte die Kleinste auch schon eher das Fernsehen und durfte teilweise länger schauen.

Gibt es Faustregeln fürs Fernsehen?

Drei Kinder, drei Mal ganz unterschiedliches Verhalten. Die Grundregel lautet grundsätzlich für alle aber, dass die Zeit begrenzt ist und das wir als Eltern vor allem grundsätzlich die Kinder beim Fernsehen begleitet haben. Das Fernsehen wurde bei uns auch schon als kurzfristiger Babysitter genutzt, so viel Ehrlichkeit gehört dazu. Das Fernsehen ist eine schnelle Möglichkeit die Kinder kurz zu beschäftigen, wenn es mal kritisch ist oder ich etwas wichtiges wie ein Telefonat in Ruhe führen musste. Dann greife ich gerne auf eine DVD zurück mit einigen kurzen Folgen wie Peppa Wutz oder Lauras Stern (je nach Alter des Kindes – heute ist das nicht mehr der Fall). Zahlreiche Wissenschaftler haben sich mit der Thematik befasst und auch Blogger wie Andreas Lorenz haben zum Fernsehkonsum geschrieben. Allgemein heißt es da bis 2 Jahren bis zu 15 Minuten, zwischen 3 und 6 Jahren ca 30 Minuten, zwischen 6 und 12 Jahren ca 45 – 60 Minuten. Das ist aber nur ein grober Ansatzpunkt. Durch Mitmach-Sendungen wie „Der kleine Elefant“ regen dazu an gemeinsam fernsehen mit dem Kind zuschauen. Dabei auch kleine Mitmachspiele wie Memory zu lösen oder mal nachzufragen, ob das Kind ähnliches wie das gezeigte schon erlebt hat. Der Clou ist: gemeinsam Fernsehen und sich dabei zu unterhalten.
Für die älteren Kinder gibt es tausend und eins an Serien, aber welche ist eigentlich altersgemäß? Nicht alles, was die Kinder hier gut finden, kann ich gut heißen. Wie gut, dass es die FSK , die freiwillige Selbstkontrolle, auch beim Fernsehen gibt und man sich so informieren kann, ob die gewählte Serie oder der Film bereits für das eigene Kind geeignet ist. Und doch gilt auch hier: Wir als Eltern kennen unser Kind und können es selbst am besten einschätzen. Alleine sollte ich auch Sechsjährige nicht vor dem Fernseher lassen, besonders nicht bei Filmen oder Serien, die dem Kind unbekannt sind. Nur so kann ich dem Kind in spannenden Situationen beistehen oder gar den Film/die Serie unterbrechen und abschalten.

Eigener Fernseher – ja oder nein?

Die Große ist zwölf. Die Interessen der Großen und der Kleinen (fast 6) liegen naturgemäß anders und gemeinsames Familienprogramm ist nicht mehr so einfach. Der Mittler ist fast neun  und will auch nicht mehr Tinkerbell sehen und gleichzeitig sind die Serien der Großen noch nichts für ihn. Jetzt wird es schwierig. Es kam die Frage auf: ein Fernsehen fürs Kinderzimmer? Ich sage klar: NEIN.
Ein Fernseher im Kinderzimmer ist für mich ungeeignet. Die Kontrolle über das Fernsehprogramm geht völlig unter und selbst die Zeit des Konsums lässt sich nur schwer kontrollieren. Es gibt hier nach wie vor Freitagsabends einen Familienfernsehabend. Da schauen wir alle gemeinsam einen Film, der der Reihe nach von den Kindern ausgewählt wird. Ist der Film mal für die Kleine zuspannend und überhaupt nicht geeignet, geht ein Elternteil mit dem einen oder den beiden Jüngeren raus. Dann wird im Kinderzimmer noch etwas gespielt oder das Tablet genommen und via Amazon Prime ein Alternativfilm herausgesucht. Der gemeinsame Filmabend ist und bleibt bei uns ein tolles Ritual und er wird durch die Regelung des Filmeaussuchens auch allen gerecht.

Smart-TV

Durch den Verzicht auf einen Fernseher im eigenen Zimmer lernen die Kinder auch, dass man Kompromisse schließen muss. Es ist nicht immer alles direkt verfügbar. Durch Mediatheken, Streamingdienste, Aufnahme- und Speichermöglichkeiten wird das Fernsehprogramm für die meisten hinfällig. Man schaut, dann wann man Zeit hat und möchte und doch müssen gerade die Kinder in unserer heutigen Medienwelt dringend Medienkompetenz erwerben, dazugehört auch, dass eben nicht immer alles gemacht wird, was möglich ist. Die neue Generation von Smart-TVs ermöglicht uns nicht mehr dem vorgegebenen Fernsehprogramm zufolgen, sondern unser eigenes zusammenzustellen. Das ist ein enormer Vorteil, weil man als Eltern gezielter darauf achten kann welche Serien/Filme geschaut werden. Hat aber auch die Gefahr, dass man länger schaut als vorher, weil man eben nicht nur eine Folge schauen kann, sondern gleich die zweite noch danach und vielleicht noch dritte und die vierte, ist ja gerade so spannend, nicht?

 

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5 Gedanken zu “Fernseher als Babysitter?

  1. Meinen ersten eigenen Fernseher hatte ich mit 12 Jahren und den musste ich mir zur Hälfte selber zusammen sparen ^^
    Der Miniheld durfte abends immer was schauen. Als es in die Kita ging durfte er morgens immer was kurzes schauen. Vor allem am Anfang hat ihm das sehr geholfen, da er etwas Einstigesprobleme hatte und dadurch irgendwie ein für ihn angenehmerer Ablauf entstand.

    Inzwischen ist er sehr selbstbestimmt beim Fernsehen. Es gibt festgelegte zeiten, zu denen er schauen darf und er bestimmt selber, was er danns chauen möchte. Er bevorzugt vor allem Experimentier- und Wissensendungen für Kinder, manchmal auch die Bastelsendungen. Ich habe festgestellt, dass er schon unglaublich viel Wissen dadurch angesammelt hat. Insofern würde ich es wohl immer wieder tun.

    Fernsehen usw. ist ja auch nicht mehr das Gleiche wie früher und so lange es keinem „Ich parke mein Kind davor“ gleicht und kontrolliert statt findet, finde ich es absolut in Ordnung!

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    1. Ja, genau so ist es. Man beobachtet sein Kind, was ihm am besten tut. Vergleicht dies mit seinen eigenen Vorstellungen. Und findet seinen Weg.
      Kein ständiges „Parken“ vor dem Fernseher und angemessene Sendungen für das Kind.
      Leider ist das aber nicht überall selbstverständlich und als Eltern ist man ja doch häufig erst einmal verunsichert, weil der eine macht das so und der andere so.

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  2. pretty you

    Toll geschrieben und so wahr. Ich habe selbst zwei Kinder – 7 und 9 Jahre – und bei uns gibt es auch keinen Fernseher im Zimmer. Dann verliert man völlig die Kontrolle. Ich habe es an mir gesehen, nachdem ich mit 13 Jahren einen Fernseher hatte, da habe ich mir sogar das Mittagessen mit ins Zimmer genommen und dort gegessen. Für mich war das früher schön, aber gut war das sicher nicht. Denn das „reden“ mit den Eltern ging definitiv damals verloren. Zudem kann man die Dosis nicht mehr bestimmen und das ist nicht von Vorteil.

    Liebe Grüße

    Christine von http://pretty-you.de/

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    1. Ich hatte auch einen Fernseher mit 13 oder 14. Allerdings Mittagessen im Zimmer hätten wir nie gedurft. Gäbe es hier auch nicht.
      Heute ist das Smartphone oder Tablet oder der eigene PC/Laptop aber ein super Ersatz zum Fernseher und die sind meist schon längst in die Kinderzimmer eingezogen. Aber dazu demnächst mehr.

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