„Und wie geht es Ihnen?“

Mit dem Sohn sind wir schon länger in psychologischer Behandlung. Wir empfinden das nicht als Makel und gehen ganz offen damit um. Er ist toll und genau so wie er ist, ist er unser herzallerliebster Sohn. Auch wenn es manchmal schwierig ist und uns fordert. Wir können das gut akzeptieren und freuen uns, dass es die Möglichkeiten gibt und wir nicht alleine damit sind.

Zur Therapie des Sohnes gehören auch regelmäßige Elterngespräche und der Blick, was im Elternhaus so los ist. Denn meist gehen gerade Aufmerksamkeitsstörungen und Einnässen mit Problemen und Stress im Elternhaus einher. Prinzipiell ist es bei uns recht harmonisch, aber eben nur prinzipiell. Es gibt diese Tage, die Momente, in denen es so gar nicht harmonisch und ausgeglichen ist und gerade wir Eltern einfach nur angespannt sind. In letzter Zeit ist das natürlich erst recht so gewesen. Wir fünf haben alle eine Menge zu verarbeiten. Das geht nicht spurlos an uns vorüber und so verwunderte es kaum, dass wir gerade bei unserem Sohn Rückschritte erlebten. Das ist nervig und doppelt anstrengend, aber für uns nachvollziehbar. So sieht es auch die Psychologin.

„Wann tun Sie etwas für sich?“

Das Elterngespräch hat zwischen ihr und mir stattgefunden, weil ich diejenige bin, die die meiste Zeit und den Alltag mit den Kindern verbringt. Mir ist dabei nochmal viel bewusster geworden wie sehr sich meine Laune und mein Stress auf die Kinder auswirkt. „Wie geht es Ihnen dabei?“ „Hatten Sie Zeit zum Trauern?“ „Wann tun Sie etwas für sich?“ Fragen, die ich nur schweren Herzens beantworten kann. Denn Zeit zum Trauern blieb bisher nicht. Zeit, in der ich etwas für meine Seele und meine Ausgeglichenheit tun kann, ist non existent.

Der Akku ist leer

Schon Tage vorher habe ich gemerkt, dass ich platt bin. Der Akku ist leer. Ich kann nicht mehr. Am liebsten würde ich mich ins Bett legen und schlafen, ein Buch lesen oder einfach so da sitzen und nichts tun. Einfach nur nichts tun.
Geht natürlich nicht! Noch immer liegt der Schreibtisch mit Briefen, Anträgen und Darstellungen voll, die sich rundum meine Eltern drehen. Belastend ist es alle mal, auch wenn ich die Entscheidung die Betreuung für meine Mutter zu übernehmen nach wie vor nicht bereue und es jederzeit wieder tun würde. Viel Arbeit ist es dennoch. Dazu der normale Alltagswahnsinn. Der Mann hat eine neue Stelle – schön für ihn, doof für mich, weil ich nun noch länger alleine mit den Kindern bin und den Alltag mit all seinen kleinen und großen Problemen liegt nun in meiner Hand.
Dazu die VHS-Kurse, die ich wirklich gerne gebe, die aber eben auch Arbeit sind.Studium, was ist das eigentlich? An ganzen drei Tagen in den letzten 8 Wochen konnte ich in meine Unterlagen schauen. Wie soll das gehen?
Der Stress wirkt sich aus. Meine Nerven sind dünner, der Geduldsfaden kürzer. Kraft, um endlich mal in einem schon lange schwelenden und sehr belastenden Konflikt voranzukommen, habe ich nicht. Gespräche und Ratschläge von meinen Eltern fehlen mir. Ich fühle mich oft ziemlich allein. Die Familie des Mannes, die vor Ort ist, können oder wollen nicht. Ratlos. All die Last liegt momentan auf meinen Schultern. Unterstützung gibt es gerade nicht.

Allein. Ratlos. Hilflos.

Es täte so gut, mal mit jemanden darüber zu reden und vielleicht sogar etwas Unterstützung zu bekommen. Doch es muss so gehen (ansonsten schreib ich halt noch nen Blogartikel. *Galgenhumor*). Kopf hoch und anpacken. Denn das Elterngespräch hat deutlich gezeigt, dass sich etwas ändern muss. Meine Kinder dürfen unter meiner Belastung nicht leiden. Sie haben eine glückliche Kindheit verdient und sollen mit Freude ins Leben gehen. Neue Aufgaben stehen der Kleinen bevor, weil sie bald in die Schule kommt. Dafür braucht sie eine starke Mama. Die Große wird demnächst fünf Tage alleine in ein Feriencamp zum Kreativen Schreiben gehen. Dafür braucht auch sie eine starke Mama, die ihr den Rücken stärkt, dass sie das gut macht. Und der Sohn braucht so oder so eine starke und geduldige Mama, um seine eigenen Probleme in den Griff zu bekommen.

Hoffnungsvoll in die Zukunft

Meine Kinder brauchen mich als eine starke und vor allem ausgeglichene Mama. Mut schöpfen und Kraft tanken – unsere Vorsätze für die baldigen Ferien. Pläne schmieden und sich neu aufstellen. Einmal alles überdenken. Freiräume schaffen oder zumindest alles Liegengebliebene abarbeiten. Den Schreibtisch leer arbeiten und dann mit neuem Elan starten. Vielleicht klappt es noch mit der Klausur im September. Nein, es muss klappen, auch wenn das Stress bedeutet. Doch wenn ich diese Klausur endlich hinter mir habe, dann ist der Abschluss in greifbarer Nähe.

Fahrrad Stress Burnout.JPG

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5 Gedanken zu “„Und wie geht es Ihnen?“

  1. Oh ich kann mir vorstellen was das für ein Brocken auf deinen Schulernen ist.
    Du darfst jeder Zeit gerne anrufen wenn du mal wenn brauchst. Das sag ich nicht nur sonder mein ich so.
    Freiräume und zeit für dich muß auch mal sein um neue Kraft zu schöpfen.
    All die Dinge die du zu bewältigen hast und der Rest sind nicht leicht. Entwicklungsschritte sind einfach Krisen egal ob nun Trauer um einen geliebten Menschen,Einschulung etc. und sie brauchen Kraft.

    Fühl dich gedrückt

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  2. Ach, liebe liebe Eva. Wenn ich dich doch jetzt drücken könnte. Ganz feste! Ich kann dich so gut verstehen. Der ganze Alltag, alle Aufgaben, man will den Kindern gerecht werden… Ich habe zwar meine Eltern noch nicht verloren, aber neulich ist der Papa meiner Nachbarin gestorben. Ich denke viel darüber nach. Ich glaube, ich würde mich sehr alleine fühlen – so ohne die „Basis“… Manchmal macht das alles keinen Spaß, oder? Es wird besser werden! Ganz bestimmt! Und ich wünsche euch, dass ihr stark daraus hervorgeht!
    So, noch was anderes. Ich hab deine Karte bekommen. Vielen Dank! Ich hab mich so gefreut. Du bist echt cool 🙂
    Liebste Herzensgrüße! Steffi

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  3. Pingback: 12 aus 2016 – Wir in Sockenbergen!

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