Ein Tag ohne mich – Weltfrauentag – meine Sicht

Der 8.März 2017. Es ist Weltfrauentag. Wir Frauen werden aufgefordert heute unsere Arbeit niederzulegen und zu streiken. Generalstreik. Für Frauenrechte und gegen Diskriminierung. Hier und auf der ganzen Welt. Alternativ ein Blogartikel zum Thema #eintagohnemich und trage die Farbe rot, als Zeichen der Solidarität mit allen streikenden Frauen heute.

Streiken? – Ich?

Was soll es bringen, wenn ich einen Tag lang streike? Wird die Welt davon zusammenbrechen? Wird sich dadurch etwas ändern? Wohl eher kaum und auch hier zuhause klappt ein Tag ohne mich durchaus. Erst am Montag war es so, dass der Mann meinen Part am Tag übernommen hat, während ich mich mit meiner Klausur abgemüht habe. Das ist möglich bei uns, auch wenn man schon zugeben muss, dass vieles dennoch liegen bleibt. Wie die Wäsche, die zwar in die Maschine geräumt wurde und gewaschen wurde, aber leider dann nicht mehr in den Trockner gewandert ist und von gebügelt und gefaltet und in die Schränke geräumt will ich gar nicht von sprechen und der 2. und 3. nötigen Maschine. Die Welt bricht aber nicht zusammen, wenn es um einen Tag geht. Eine Woche, ein Monat, das wäre etwas anders. So lange kann der Mann nicht der Arbeit fernbleiben, unsere Existenz wäre massiv gefährdet und eine (kurzfristige) Betreuung für solch einen Zeitraum nicht einfach organisierbar, wenn überhaupt. Ich sehe da keine Möglichkeit.

Doch es geht um mehr, als um das was ich hier tue. Es geht um das große Ganze, um nicht weniger. Anerkennung und Akzeptanz von Frauen und ihren Leistungen für die Gesellschaft. Bei uns ist es wie bei vielen anderen auch die Frau, sprich ich, die sich um die Kinder, den Haushalt, Freizeit und vor allem um Organisation des Ganzen kümmert. Natürlich übernimmt der Mann respektive der Vater auch einen Teil, doch den größten Teil des Tages ist er auf seiner Arbeitsstelle und somit außer Haus. Wäre die Situation andersherum, ich bin mir sicher er würde Haushalt, Kinder, Freizeit und Co auf seine Weise ebenso meistern. Wenn ich so wie heute nachmittag arbeite, dann sorge ich für die Kinderbetreuung und werde teils noch müde dafür belächelt, dass ich das was ich da tue auch noch Arbeit nennen. Traurig.

Warum sollte ich also heute streiken oder mindestens mich einsetzen für Frauenrechte, Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung? Weil es mich traurig macht, dass genau diese beschriebene Carearbeit meist der Frau zugeteilt wird und selten eine Anerkennung bekommt. Nicht innerhalb der Partnerschaft, sondern von Seiten der Gesellschaft, der Großeltern, der Nachbarn, ErzieherIn, der LehrerIn, der TherapeutIn, der Arbeitgeber, der Politiker, der Freundin/des Freundes etc.

Im Lebenslauf Kinder nennen?

Erst vor wenigen Tagen habe ich eine Diskussion auf Facebook verfolgt, in der es darum ging, ob eine 40jährige Frau mit akademischen Titel in ihrem Lebenslauf ihr Kind sowie das Alter (ihres und das des Kindes) angeben sollte oder nicht. Ähm was ist das bitte für eine Frage? Für mich würde sie sich nicht stellen. Bisher!
Denn die Diskussion mit einigen PersonalerInnen zeigt, dass das sehr wohl ausschlaggebend sein könnte und auf Grund des Kindes die Stelle nicht bekommen würde. Für den potentiellen Arbeitgeber steht häufig fest: Wer als Frau Kinder hat, der ist häufig nicht flexibel und häufiger krank oder fehlt häufiger, weil die Mutter sich ums Kind dann kümmert muss. Einem Mann würde dieses nicht angelastet. Hey, dass ist unfair!

Was kann das für mich bedeuten?

Da stellt sich schon für mich die Frage: wenn ich mich demnächst bewerbe, gebe ich dann meine Kinder an und ihr Alter? Denn dann ist klar ersichtlich, dass ich früh schwanger geworden bin (Kann die nicht verhüten? Die war doch viel zu jung.) Und wie will sie das mit drei Kindern machen? Ständiges Fehlen können wir uns nicht leisten, also gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einladen?!
Aber wenn ich sie nicht angebe, wie erkläre ich die große Lücke zwischen Ausbildung, Studium und Arbeitssuche? Die längere Studienzeit könnte mir dann auch nachteilig angelastet werden.

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Gegen Diskriminierung, mehr Toleranz!

Diskriminierung ist also doch auch 2017 immer noch überall zugegeben und wir sollten uns dagegen auflehnen. Einen Generalstreik halte ich nicht für sinnvoll, aber die Möglichkeit die Öffentlichkeit auf Diskriminierung und Unrecht immer wieder zunutzen, auch nicht verstreichen. Also Frauen dieser Welt kämpft für unsere Rechte und gegen Diskriminierung (egal ob von Frauen, Kindern, Andersdenkenden) Für eine tolerantere Welt. Für eine breitere Öffentlichkeit sammelt das feministische Netzwerk alle Beiträge. Danke dafür.

Unsere Welt, unsere Gesellschaft muss toleranter werden und sich gegen jegliche Diskriminierung wehren.  Auch wenn ich vieles nicht verstehe und noch viel mehr für mich selbstverständlich erscheint, so ist es das leider nicht. Eine großer Veränderung werden wir nicht gleich direkt erreichen, aber wenn jeder bei sich selbst anfängt und die Augen aufmacht, dann können wir viel erreichen.

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2 Gedanken zu “Ein Tag ohne mich – Weltfrauentag – meine Sicht

  1. ich beschäftige mich momentan auch immer mehr mit dieser frage und bin immer wieder erschüttert, wie abfällig über mütter, kinderbetreuung und all diese themen gesprochen wird. seit wann ist familie eigentlich zum abfallprodukt geworden? unsere ganze gesellschaft baut darauf auf, dass sie über generationen weitergegeben wird, aber die rolle, sich darum zu kümmern, ist in unserer modernen welt kaum vorgesehen.

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  2. Pingback: #Freitags5 – 5 Tage 5 Fotos im März #02 - Heldenhaushalt

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