[ADS] Unser Kind hat eine Aufmerksamkeitsstörung – die Grundschule

Und dann stand die Einschulung vor der Tür. Puh, dass war irgendwie gar nicht so einfach. Wie wird die Grundschule reagieren? Wird es weitere Therapien geben und vor allem auch: was sagt das persönliche/familiäre Umfeld? Das lest ihr im zweiten Teil unser kleinen Serie zur Aufmerksamkeitsstörung unseres Kindes.

Einschulungsuntersuchung und Erstgespräch

Die Einschulungsuntersuchung war die letzte motorische Untersuchung in einer Reihe von diesen. Es kam zum Übungseffekt und die Dame vom Jugendamt konnte keine Auffälligkeiten feststellen. Der Junge ist schulreif wie es so schön heißt.
Dann kam das Erstgespräch mit der Grundschule. Wir sprachen die Problematik des Einnässens und der Langsamkeit an und baten um eine geduldige Lehrkraft. 

Die Grundschulzeit

Die Wahl der Lehrkraft war perfekt. Es war zeitweise sogar stundenweise eine Sonderpädagogin mit in der Klasse und seine Klassenlehrerin absolvierte während seiner Grundschulzeit noch eine Fortbildung zur Sonderpädagogin. Ein Glücksfall für unseren Sohn. Die Klassengemeinschaft wuchs und in den vier Jahren kam es nur vereinzelt zu Hänseleien, die ich allerdings tatsächlich für normal empfinde. Er kam gut in der Schule mit. Beteiligte sich zunehmend munterer und selbstsicherer am Unterricht.  Es viel aber immer mehr auf, dass er teils recht abwesend war. Immer wieder gab und gibt es diese Momente, in denen er einfach nicht da zu sein scheint. Und auch im motorischen Bereichen zeigen sich einige Defizite, z. B. hat er in der 1.Klasse die Druckbuchstaben nahezu perfektionistisch geschrieben. Doch als in der 2. Klasse es mit der vereinfachten Ausgangsschrift es weiterging veränderte sich sein Schriftbild drastisch. Die zusammenhängende Schrift stellte für ihn eine enorme Herausforderung. Mit Bleistift und Tintenroller ging es einigermaßen, als dann auch noch in der 3. Klasse der Füller hinzukam war die Schrift kaum lesbar und das Schreibtempo katastrophal. In Absprache mit den Lehrerinnen war es dann an ihm welche Schriftart er nutzte und mit welchem Stift er schrieb.

Klassenarbeiten und Hausaufgaben

Die wahre Herausforderung für uns als Familie und vermutlich auch für ihn waren und sind die Hausaufgaben. Unzählige Male habe ich unter das Geschriebene notierte „Heute konnte … seine Hausaufgaben nicht zu ende machen. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren.“ Aber wir haben da auch oft Stunden (!) gesessen und immer und immer wieder anfangen und ihn ermuntert, ihn fokussiert, ihm Hilfsangebote gemacht. An anderen Tagen ging es dann problemlos.
Die Tests und Klassenarbeiten waren auch immer sehr interessant. In der ersten Klasse musste er erst lernen, dass er nicht seinem Sitznachbarn helfen sondern seine Aufgaben machen sollte. In der 3. Klasse starteten dann die Klassenarbeiten und es zeigte sich, dass er oft mehr Zeit als andere Kinder brauchte und mal auch nicht. Gerade im Fach Mathematik war das dann auch für uns Eltern immer sehr anschaulich: alle gelösten Aufgaben waren richtig, aber diese schwankten von der Hälfte der Aufgaben bis zu allem. Mal gab es eine vier und mal eine eins. Die Lehrerinnen wussten auch nicht weiter und die Elterngespräche waren immer sehr interessant, weil wir dort teils zu viert saßen und uns fragten, welches Kopfkino sich in seinem Kopf in den Momenten der Unaufmerksamkeit abspielte.

Die anderen Eltern

Wir haben eigentlich nie ein Geheimnis aus seiner Besonderheit gemacht. Eltern unterhalten sich. Man fragt nach wie es in der Schule so läuft. Wir berichteten, dass unser Sohn langsam ist und die Hausaufgaben häufig einer Neverendigstory glichen. Die Reaktion war meist sehr ähnlich: Ach ja, dass kenne ich. Unser ist auch sooo langsam. Aber das legt sich wieder. Die Schnelligkeit kommt noch. Es muss ja nicht jeder ein Überflieger sein. Kind xy hat das auch am Anfang gehabt, dass verwächst sich.
Ich nehme das niemandem übel, aber es hilft nicht gerade weiter und beruhigt auch nicht wirklich.

Erst als es offensichtlicher wurde und auch das Einnässen nur bedingt zurückging, kamen manchmal Fragen und Interesse.  Aber auch eine anonyme Anzeige beim Jugendamt, dass unser Sohn einnässen würde und wir nichts dagegen unternehmen würden. So standen eines Morgens zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes vor der Tür und überrumpelten mich. Ich war ganz schön geschockt und es hat lange in mir gearbeitet. Letztlich war alles in Ordnung. Die Damen wussten nicht annähernd so viel über mögliche Ursachen von Einnässen wie wir und waren mehr als zufrieden, was wir bis dato alles unternommen hatten. Es blieb dennoch ein Gefühl der Ohnmacht.

Der Schulwechsel

Der bevorstehende Schulwechsel hat uns ebenso viele schlaflose Nächte gebracht. Dazu aber demnächst mehr.

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2 Gedanken zu “[ADS] Unser Kind hat eine Aufmerksamkeitsstörung – die Grundschule

  1. Ich finde es erschreckend, wie lange manchmal gezögert wird das Jugendamt einzuschalten und dann sind sie bei so etwas auf einmal ganz schnell, wo ich jetzt einfach mal behaupten würde, dass ihr nie und nimmer auf andere den Eindruck machen könntet in irgendeiner Weise eure Kinder zu vernachlässigen.

    Ein spannender Bericht.

    Gefällt 1 Person

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