Schulstart: Smartphone ja oder nein?

Die Schule hat hier in NRW gerade wieder begonnen. In einigen Schultüten befinden sich Smartphone für die Schulstarter. Und als Mutter eines Fünftklässlers frage ich mich auch: Smartphone ja oder nein?

Smartphone in die Schultüte?

Im Grundschulbereich war für uns Eltern klar: kein eigenes Smartphone für die Kinder. Sie dürfen und durften unsere Smartphones begrenzt nutzen und auch das vorhandene Tablet, aber eben kein eigenes Smartphone. Warum nicht? Erstens überfordert ein Smartphone ein 6jähriges Kind schnell. Der Schulstart möchte erst einmal gemeistert werden und die vielen Funktionen eines Smartphones, welches sinnhaftes Lesesverständnis erfordert, können gerade 1. und 2. Klässler noch nicht leisten. In der 3. und 4. Klasse steht das Thema Internet auf dem Lehrplan und auch in meinen Kurs zum Thema „Internet für Kinder“ merke ich immer wieder, dass es gerade den Grundschulkindern noch recht schwerfällt zu begreifen was das Internet ist, welche Möglichkeiten es bietet, aber auch welchen Gefahren sie sich aussetzen können.

Ein begleiteter Umgang mit einem Smartphone und seinen Funktionen ist für uns der richtige Weg, um unseren Kindern die Welt des Smartphones und des Internets begreiflich zu machen. Dabei erklären wir viel, probieren aus und testen uns durch.

Smartphone als Geschenk

Mit dem 10. Geburtstag gibt es dann ein eigenes Smartphone. Der Schulwechsel steht vor der Tür und viele im Bekannten- und Freundeskreis haben ebenso ein Smartphone nun. Alleine lassen wir unser Kind immer noch nicht damit, denn so ein eigenes Smartphone ist gerade in den ersten Wochen ja besonders interessant. Kann ich dann nun immer dran, wenn ich will? Wie ich muss dich fragen, wenn ich eine App herunterladen will? Jetzt kann ich endlich spielen und YouTube schauen! 

Grenzen setzen, Vereinbarungen treffen

Die Freude ist groß und doch gibt es Grenzen. Stundenlang am Smartphone sitzen ist einfach nicht sinnvoll und gesund. Gerade unser Sohn mit der Aufmerksamkeitsschwäche hat enorme Probleme nach stundenlangem Bildschirmgestarre ist er unkonzentriert, leicht frustriert und hat eine sehr kurze Toleranzgrenze. Da er sehr medienaffin ist und gerne sich die unterschiedlichen Let’s Playvideos auf YouTube schaut, haben wir mit ihm Vereinbarungen geschlossen wie lange er am Smartphone bleiben darf – momentan 2 Videos am Stück (ca. 45 Minuten). Ganz individuell auf ihn abgestimmt und gleichzeitig erklärt, warum wir andere Regelungen mit seiner Schwester haben. Jedes Kind ist anders. Das eine Kind braucht mehr feste Regeln, das andere Kind braucht mehr Zuspruch und Anleitung. Gar nicht so einfach, da immer den „richtigen“ Weg zu finden. Eine Möglichkeit ist einen gemeinsamen Nutzungsvertrag zu erstellen. Vielleicht sogar gleich für die ganzen Familie.

Wie regelt die weiterführende Schule das?

Wir sind nicht allein mit unserer Einschätzung, dass Kinder ab der weiterführenden Schule ein eigenes Smartphone besitzen. Direkt am ersten Tag auf dem Gymnasium hat unser Sohn ein Merkblatt zur Handynutzung mit nach Hause gebracht. Wie bei einem Vertrag mussten sowohl wir Eltern als auch unser Sohn dieses unterschreiben. Aber was steht drin? Es konzentriert sich stark auf alle negativen Aspekte der Smartphonenutzung und möglichen strafrechtlichen Folgen:

  • keine Verbreitung von Fotos und Videos
    Bestrafungsmöglichkeit nach §22 und §33 des Kunsturheberrechtgesetztes und nach §201a des StGB
  • kein Happy Slapping
    selbstgedrehte Videos oder bekommene Videos, in denen andere Personen beleidigt, beschimpft, geschlagen oder pornograftiert werden
    Bestrafungsmöglichkeit nach dem StGB wegen Gewaltdarstellung, Verbreitung gewalt- oder tierpornographischer Schriften, Beleidigung, Verleumdung, unterlassene Hilfeleistung, Anstiftung und Mittäterschaft, aber auch hier Verstoß gegen das Recht auf das eigene Bild.

Der Grundsatz ist: „Mit dieser Information wollen wir Dich schlau machen, so dass Du Dich selbst vor sehr unangenehmen Folge schützen kannst.“

Infozettel – ist das ausreichend?

Es ist wichtig, dass die Regeln klar sind und mögliche Straftaten vorgebeugt werden. Aber kann ein Fünftklässler die Ausmaße bereits erfassen, wenn er den Zettel liest und unterschreibt? Ist im klar, was er mit einer Unterschrift aussagt? Mir ist das zu kurz gedacht. Wir haben hier es besprochen, sind den Zettel mit ihm durchgegangen. Berets im Vorfeld hatten wir einige Fälle von eingehenden Fotos und Videos, die für meinen Geschmack schon nicht in Ordnung waren. Aber trotz Erklärungen und Darlegung des Sachverhaltes, ist es für den Sohn noch recht schwierig zu unterscheiden was ist ok und was ist eben nicht ok. Wir haben uns dann gemeinsam die Erklärungen zum Persönlichkeitsrecht und zum Urheberrecht auf Handysektor.de angesehen. Aufgrund dieser Erfahrungen ist ein Schreiben seitens der Schule deshalb nicht zielführend und ausreichend. Pädagogen und Eltern sind hier gefragt den Kindern es deutlich anschaulicher zu erklären was geht und was nicht. Doch können wir das als Eltern eigentlich leisten? Sind alle Eltern dazu in der Lage? Warum kommt es immer wieder zu Fällen von Happy Slapping, von Mobbing, von Urheberrechtsverletzungen?

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Unsere Regeln für unsere Kinder

Wir haben unterschiedliche Nutzungsvereinbarungen mit allen drei Kindern, je nach Alter, nach Bedürfnissen und ihren Charakteren:

Die Jüngste, 7 Jahre alt, 2. Klasse

  • kein eigenes Smartphone
  • begleitete Nutzung ca. 30 – 60 Minuten am Tag
  • kein eigenes Downloaden von Apps
  • keine eigenen Passwörter, keine eigenen Konten, keine eigene Emailadresse

Der Sohn, 10 Jahre alt, 5. Klasse

  • eigenes Smartphone
  • Smartphone darf nicht mit in die Schule
  • eigenverantwortliche Nutzung von ca. 45 – 60 Minuten am Stück
  • kein eigenes Downloaden von Apps
  • Passwörter müssen uns Eltern bekannt sein
  • Wir Eltern dürfen nach Rücksprache seine Nachrichten lesen und bei Bedarf besprechen wir Unregelmäßigkeiten, Auffälligkeiten, Verstöße

Die Große, 13 Jahre, 8. Klasse

  • eigenes Smartphone
  • eigenverantwortliche Nutzung
  • Passwörter müssen uns Eltern bekannt sein
  • Wir Eltern dürfen nach Rücksprache und in ihrem Beisein ihre Nachrichten lesen und die Apps überprüfen, welche auf dem Smartphone sind

Als Eltern versuchen wir allen Kindern ein offenes Ohr zu bieten und gemeinsam Vor- und Nachteile von den einzelnen Möglichkeiten (Apps, Funktionen, Prepaid oder Vertrag) zu erörtern, um dann eine Entscheidung fällen zu können. Wir wünschen uns, dass sie uns fragen, wenn sie unsicher sind und dennoch möchten wir ihnen so viel Freiraum geben wie es nötig und möglich ist. Es ist ein Balanceakt.

Eure Meinung

Jetzt interessiert mich wie das bei euch läuft. Haben eure Kinder, Neffen, Nichten bereits ein eigenes Smartphone? Wie schützt ihr eure Kinder vor Straftaten? Welche Sorgen habt ihr bezüglich der Smartphonenutzung?

Mehr zu unser Sichtweise findest du hier (WhatsApp) und hier (Fernsehnutzung).

 

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6 Gedanken zu “Schulstart: Smartphone ja oder nein?

  1. Tochter hat 3 Mädels.
    Die jüngste 6…kein Smartphone.
    Die 9jährige Smartphone begrenzt zu Hause.
    Die 11jährige ebenfalls begrenzt zu Hause.
    Ich denke, dass meine Tochter ihre Kinder ausführlich informiert hat.

    LG Mathilda 😊

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  2. Der Held möchte gerne, dass unser Großer nun auch ein Handy hat, wenn er zur Schule geht. Er wird den Weg vermutlich schon bald alleine meistern, weil er überschaubar ist und soll uns im Notfall erreichen können. Wobei er dann tatsächlich kein SMARTPHONE, sondern noch so ein altes Handy bekommen soll mit Tasten usw ^^ Er wird uns hassen *lach* Aber für den Notfall braucht es nicht mehr. Die wichtigsten Nummern auf die Kurztasten gelegt und gut ist. Dann gibt es auch kein Spielen und Internet usw…

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    1. Ein „altes“ Handy für den Anfang mit 6 ginde ich gar nicht so verkehrt. Hat eine Freundin mit ihrer Tochter auch gemacht, da sie morgens fast eine Stunde im Bus saß. Wenn es der Sicherheit dient und es klare Regeln gibt, warum auch nicht.

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  3. Bei uns ist der Schulweg so kurz da benötigt es noch kein Handy. Der Große mit seinen 7 und die Kleine mit 4 dürfen aber begrenzt mal ein Spiel auf dem Handy spielen, aber nicht täglich. Ein eigenes hat der Große noch nicht. Wenn er dann in die Weiterführende kommt, dann wird er eins bekommen.
    Kenne aber auch in der Betreuung des Großes welche, die in höheren Klassen sind und eine Smartwatch z.B. von Cat haben. Das finde ich auch noch interessant, habe mich jedoch noch nicht mit befasst.

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