Eigenes Smartphone erst mit 18?

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Frankreich hat Smartphones an den Schulen verboten, zumindest so lange die Schüler und Schülerinnen nicht ausdrücklich aufgefordert werden diese zu benutzen. Und auch in Deutschland diskutiert man wieder, ob Schüler und Schülerinnen ein Smartphone mit in die Schule nehmen dürfen oder ob es verboten werden soll. Andererseits steht Deutschland vor der Bewältigung der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft, der Arbeitswelt und auch des Bildungsbereiches. Wie soll man all dieses miteinander vereinbaren?

Manfred Spitzer fordert schon seit langem, dass ein eigenes Smartphone erst ab 18 Jahren erlaubt sein sollte. Medienpädagogen wie Jöran Muuß-Merholz und Medienwissenschaftler hingegen fordern mehr Medienkompetenz und die Nutzung des Smartphones auch fürs Lernen. In Berlin läuft gerade eine große Werbekampagne sich mehr mit dem eigenen Kind zu beschäftigen und das Smartphone zur Seite zu legen. Das gefällt nicht allen wie der Text von Alu von Großeköpfe zeigt. Kinder in Hamburg fordern mit einer Demo mehr Aufmerksamkeit von ihren Eltern. Na, wie soll ich mich denn jetzt verhalten? Und wie deute ich diese ganzen Artikel und Aussagen?

Der Mittelweg

Wie so oft kann ich mich in vielen Punkten bei den unterschiedlichsten Akteuren wiederfinden und merke, dass es eine Verquickung von vielen verschiedenen Themenbereichen ist:

Medienkompetenz
Eva Holtmann | CC BY SA

Smartphonenutzung erst ab 18 Jahren halte ich für realitätsfern wie vermutlich viele von euch. Allerdings vertrete ich klar die Auffassung, dass eine eigenes Smartphone frühestens (!!!) ab der weiterführenden Schule (hier in NRW ab ca. 10 Jahren) sinnvoll ist. Vorher hat kann ein Kind die komplexen Funktionen eines Smartphones gar nicht erfassen. Eine langsame Heranführung, ein Handyführerschein und immer noch eine Auge drauf von den Eltern ist auch dann unerlässlich. Hier greift zum ersten Mal die Forderung nach mehr Medienkompetenz und einer Verankerung im Lernplan.

Ausgewogenheit
Eva Holtmann | CC BY SA

Smartphone als Übel aller Probleme?

Zusammenhang zwischen Smartphonenutzung, Aufmerksamkeitsschwäche/-störung, Hyperaktivität und Bewegungsmangel – puh, ich habe jetzt nicht alle Studien gelesen. Aber klar ist auch hier greift die Forderung nach Medienkompetenz und einer Verankerung im Lehrplan. Dennoch ist dieses auch oder vor allem abhängig von den Eltern. Wie leben sie es ihren eigenen Kindern vor? Selber oft am Daddeln und am Smartphone/Tablet/PC oder doch oft draußen in der Natur, am Sporteln oder kreativ sich auslebend? Wenn man nun bedenkt, dass Kinder vor allem durch Nachmachen lernen, dann wird einem schnell klar, dass ein Verbot für Kinder kaum Auswirkungen haben wird. Viel mehr ist es an uns Erwachsenen ihnen ein sinnvollen Umgang mit digitalen Medien vorzuleben.Ein Krankheitsbild wie ADS/ADHS mit der Smartphonenutzung zu verknüpfen halte ich für gefährlich. Gibt es dazu belegbare Studien? Ich weiß es nicht. Einen Zusammenhang zwischen deutlich hohem Medienkonsum und Bewegungsmangel und daraus ggf resultierendem Übergewicht und Konzentrationsschwächen kann ich mir hingegen gut vorstellen, denn das kann ich bei mir selbst gut beobachten. Bewege ich mich zu wenig, nehme ich zu. Sitze ich zu lange am Bildschirm, bewege ich mich automatisch weniger und meine Konzentration lässt auch nach. Am Abend bin ich gereizt, müde und ungeduldig, darunter leiden die Kinder dann durchaus und ich und der Mann und die Beziehung etc.. Deshalb müssen wir als Erwachsene zuerst an uns arbeiten und uns reflektieren, um dann ein Vorbild für unsere Kinder sein zu können (aber das wisst ihr sicherlich, denn da erzähle ich euch nichts Neues).

Medienkompetenz
Eva Holtmann | CC BY SA

Smartphone in der Schule? Ja oder nein?

Prinzipiell ja! Aber als Arbeitsmittel, als Werkzeug, dass das Lernen unterstützt. Bietet den Schülerinnen und Schülern genügend Anreize sich in den Pausen mit anderen Dingen zu beschäftigen als mit dem Smartphone. Und wer schon einmal zur Großen Pause auf einem Schulhof war, der weiß, dass das durchaus klappen kann und viele gar nicht nur am Smartphone sind. Das Smartphone als Werkzeug einsetzen heißt es für den Unterricht zu nutzen, zum Beispiel zur Recherche oder zum Abfotografieren des Tafelbildes, dass man dann zuhause in Ruhe ordentlich ins Heft übertragen kann. Zum Recherchieren oder vorbereiten von Präsentationen sollten noch viel besser Laptops, Tablets oder PCs zur Verfügung stehen, allerdings ist das momentan nicht der Fall und wird auch angesichts der Probleme und der chronischen Unterfinanzierung unseres Bildungssystems in kürzester Zeit nicht zu realisieren sein.

Liebe Schule, liebe Lehrer und Lehrerinnen ergreift die Chance den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln wie man mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung umgehen und arbeiten kann. Zeigt ihnen die Werkzeuge auf, die sie uns bietet. Natürlich darf dabei ein kritischer Blick nicht fehlen und Gefahren müssen aufgezeigt werden. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Als Mittel zur Vermittlung sind Smartphone, Tablet und Laptop die richtige Wahl, denn Schwimmen lernt man nur im Wasser. Theorie ist hilfreich, Praxis aber notwendig.

 

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