[Buch]“Und was jetzt?“

Bärbel Kerber hat mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar ihres Buches „Und was jetzt?“ zur Verfügung gestellt. Sie behandelt ein spannendes Thema darin wie der Untertitel „Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ schon verrät.

Das Buch

Die Thematik Beruf, Karriere, Kind ist keine neue und doch ist sie immer genau in dem Moment spannend, indem man als Frau oder auch als Paar genau vor dieser Entscheidung steht. Was spricht für ein Kind? Was spricht für eine Karriere? Lassen sich Beruf und Kind vereinbaren? Kann ich auch ohne Kinder glücklich werden? Fragen, auf die es keine universelle Antwort gibt. Jeder Mensch ist unterschiedlich und jeder Lebensweg ist unterschiedlich. Ich kann da nur von meinem Lebensweg und meinen Erfahrungen berichten und kenne die Geschichte meiner Eltern. Deshalb fande ich es spannend, dass Bärbel Kerber die Thematik von den unterschiedlichen Perspektiven der Karrierefrauen, der Familienmütter, der arbeitenden Mütter, der Alleinerziehenden geschrieben hat. Man bekommt einen Einblick darin, welche Gedanken sich Frauen machen. Immer wieder unterstreicht sie ihre Aussagen durch Zitate aus einer Befragung von Frauen. Dies lässt das Buch authentisch wirken und zeigt lebhaft die Gefühlswelten, die teils in absolutes Chaos ausbrechen können.

Und doch beschränkt sich das Buch nicht nur auf die Gefühlswelt der Frau, sondern veranschaulicht auch die Arbeitswelt. Appelliert an unsere Gesellschaft flexibler zu werden und sich familienfreundlicher aufzustellen. Sind heutige Arbeitsmodelle wirklich mit einer Familie vereinbar? Jein, denn es ist stark Job und Arbeitgeber abhängig. Und auch die Betreuungssituationen haben sich in den letzten Jahren schon deutlich verbessert, sind aber immer noch nicht perfekt. Aber werden sie es jemals sein?

Eigene Erfahrungen

Ich kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen. Unsere älteste Tochter ist 12 Jahre, ungeplant aber herzlich willkommen. Wir leben in einer Kleinstadt im ländlichen Münsterland. Vor zehn Jahren gab es noch keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei und erst recht nicht unter zwei Jahren. Der Arbeitsmarkt war überfüllt und für eine Mutter mit Kleinkind ohne familiäre Unterstützung war es nicht möglich arbeiten zugehen. So bin ich drei Jahre zu Hause geblieben und dann kam Nummer zwei auf die Welt. Im Jahr darauf bin ich mit dem Studium an der Fernuniversität in Hagen angefangen, um wenigstens etwas zu tun und mein Traum eines Studiums auch mit Kind bzw. mittlerweile zwei Kindern mir erfüllen zu können. Ein Präsenzstudium war nicht möglich. Die Betreuungsmöglichkeiten war nicht da. Der Sohn war dann der erste Jahrgang, der mit zwei Jahren in den Kindergarten kam. Ich studierte weiter, bekam noch Kind Nummer drei.
Als die Tochter dann in die Schule kam, war da der Ganztag nur für wenige Kinder ausgebaut. Doch hier entwickelte sich etwas. Heute ist es so, dass ich immer noch studiere. Das kleinste Kind nun in die Schule kommt. Nebenbei gebe ich VHS-Kurse.

Die Möglichkeiten Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen haben sich verbessert im Gegensatz zu vor zehn Jahren und doch bleibt es ein Spagat wie auch Bärbel Kerber beschreibt. Als Paar müssen wir stets gut planen wer wann die Kinder abholt und betreut. Wir nutzen keinen Ganztagsplatz, sondern bisher nur die längere Betreuung im Kindergarten, die dann ab dem Sommer mit der Schule entfällt. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass man sich einen Ganztagsplatz im Hort auch erst einmal leisten können muss. Zudem haben wir ein besonderes Kind, welches mehr Aufmerksamkeit benötigt und Therapien bekommt, zu denen wir es bringen müssen. Es ist immer ein guter Plan und viel Flexibilität und Spontanität gefragt, um den Familienalltag mit drei Kindern und dem Beruf meines Mannes, mein Studium sowie meine Dozententätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Für mich stellt sich die Frage, ob es immer die Karriere sein muss? Ich bin schon zufrieden, wenn ich demnächst eine adäquate Arbeitsstelle bekomme, die im Idealfall unser Haushaltsbudget aufstocken lässt und wir uns einen Urlaub im Jahr leisten können. Denn wer sich für die Familie entscheidet hat auch immer finanzielle Einbußen. Uns hat das bisher wenig ausgemacht, aber auf Dauer ist es dann auch keine Lösung.

IMG_20160601_115624

Das Fazit

Ich kann das Buch jedem empfehlen. Ob Frau, ob Mann, ob Mitte zwanzig oder Ende fünfzig. Es zeigt die unterschiedlichen Perspektiven und regt zum Nachdenken an. Es ist Bärbel Kerber gelungen in ihrem Buch den Spagat zwischen den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten von Frauen darzustellen und für eine offener, tolerantere und familienfreundlichere Gesellschaft zu werben.
Wenn ich nun vor der Entscheidung stünde, Kind ja oder nein, was würde ich machen? Das ist nicht einfach, aber viele in meinem Alter (34) stehen genau jetzt davor. Ich wünsche euch viel Kraft und den Mut eure Entscheidung zu leben. Egal ob du dich für ein Kind oder gar mehrere Kinder entscheidest oder für den Beruf und die gewollte Kinderlosigkeit, stehe dazu und lass dich nicht beirren, aber vergiss nicht deinem Partner mit in deine Entscheidung einzubeziehen. Ansonsten ist die Beziehungskrise meist leider vorprogrammiert, wobei schon wieder eine neue Facette geöffnet wird.
Vergesse mag ich auch nicht die Paare, die gerne Kinder bekommen würde, es leider aber nicht möglich ist. Redet miteinander. Ihr werdet euren Weg finden, ob mit einem angenommenen Kind, keinem Kind oder als besondere Tante oder besonderer Onkel. Das Leben ist immer für eine Überraschung gut.

[Buch] Das Leben leben in all seinen Farben + zauberhaft und weihnachtsweise


Die junge Autorin Nadin Brunkau schreibt Kurzgeschichte, Gedichte und allerlei Anregendes in ihrem Buch „Das Leben leben – in all seinen Farben„, außerdem schreibt sie auf dem Blog bookwannabe.com ihre Gedanken nieder und veröffentlichte passend zur Weihnachtszeit „zauberhaft und weihnachtsweise“. Philospopisch, nachdenklich und teils melancholisch.

Das Buch wurde mir zur Rezension zur Verfügung gestellt. Der erste Blick hinein war viel versprechend, doch der Dezember ist ja immer sehr terminlastig und ausgefüllt mit Vorfreude, Heimlichkeiten und allerlei. Da kam es mir eben auch sehr recht, dass es kurze Geschichte, Gedichte, Gedanken  und Dialoge in dem Buch sind und keine zusammenhängende lange Geschichte. So konnte ich immer mal wieder mir einen Text durchlesen. Ihm nachhängen und vor allem darüber nachdenken.
Dabei hat mich einiges mehr und anderes weniger angesprochen. Einiges war recht melancholisch, anders kam mir sehr bekannt vor wie die Frage nach dem Glück, wo es denn so hin ist als Mutter und wie wir es vielleicht festhalten können für den einen kleinen Augenblick.
Einige Texte habe ich zwei, dreimal gelesen. Immer wieder etwas Neues entdeckt. Ich mag das! und kann euch nur empfehlen einmal selbst bei Nadin auf dem Blog vorbeizuschauen. Dort zustöbern und dann schwupp zu Amazon herüber, wo sie ihre Bücher veröffentlicht hat.


Das zweite Buch ist „zauberhaftes und weihnachtsweise„. Für euch kommt die Empfehlung sicher etwas spät, denn Weihnachten liegt hinter euch. Und doch sag ich euch: die Weihnachtszeit ansich hat ja eigentlich grad erst begonnen und da Weihnachten ein Anfang, ein Zauber, ein Hoffnungsschimmer ist und ich jedem von euch empfehle etwas dieses Anfanges, des Zaubers und des Hoffnungsschimmers mit in den Alltag mitzunehmen, kann ich euch auch dieses Buch nur empfehlen.Ähnlich wie „Das Leben leben“ ist es voll von Inspiration und Anregung zum Nachdenken, zum Seele baumeln lassen und auf zauberhafte Weise mit in die Weihnachtszeit genommen zu werden.

Nadin Brunkau lässt uns teilhaben an ihrem Projekt vom Alltagsschreiben zum Buch auf ihrem Blog und ich bin gespannt wie sich ihr Schreibstil entwickeln wird, wie die Irrungen und Wirrungen zu einem großen Ganzen werden. Viel Erfolg.

——————————————————————-

Kleingedrucktes
Mir wurden beide Bücher zur Rezension zur Verfügung gestellt. Es bestehen keinerlei weitere Ansprüche daraus und obige Meinung ist meine eigene und nicht durch die Autorin oder Dritter beeinflusst worden.

Lesesommer 2015 – zwei Jugendbuchempfehlungen

Herzklopfen auf Französisch - Perkins, Stephanie
Quelle: http://www.buecher.de

Herzklopfen auf Französisch von Stephanie Perinks ist ein Jugendbuch, welches mich eine Nacht lang gefesselt hat. Es handelt von der 17 Jährigen Anna, eine Amerikanerin, die von ihrem Vater auf ein amerikanisches Internet in Paris geschickt wird. Unfreiwillig. Getrennt von der Mutter und dem Bruder Seanny, der besten Freundin und der vielleicht Beziehung. Ein Jahr Paris – ohne vorherige Französischkenntnisse und ohne Lust. Kann das gut gehen?

Perkins lässt Anna Paris erkunden. Nicht allein, sondern mit ihren neuen Freunden und vor allem mit Etiénne St. Clair, dem geschichtsinteressierten und äußerst gut aussehenden Schulliebling. Als sich die beiden näher kommen, wirken beide zunehmend verunsichert und eine Reise der Gefühle mit Angst, Unsicherheit, aber auch schönen Momenten beginnt. Schaffen es die beiden ihre Liebe zueinander zu erkennen und wie kommt St. Clair mit der Krebserkrankung der Mutter zu recht? Werden die beiden sich wiedersehen, wenn Anna wieder zurück in den USA ist und ein Studium der Filmkritik.

Insgesamt ist es ein tolles Jugendbuch, dessen Geschichte man sicher schon häufig gelesen hat und doch ist es immer wieder lesenswert. Gepaart mit Geschichtsdetails und Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt sowie einigen französischen Vokabeln war es ein kurzweiliges Leseerlebnis. Perkins schafft es mit die Charaktere ihres Buches authentisch herüberkommen zu lassen ohne jeden bis ins kleinste Detail zu skizzieren. Es bleibt Raum für eigene Interpretationen, dieses macht es für den Leser spannender. Eine klare Leseempfehlung von mir und der Tochter.

 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

In dieser ganz besonderen Nacht (eBook, ePUB) - Vosseler, Nicole C.
Quelle: http://www.buecher.de

„In dieser ganz besonderen Nacht“ von Nicole C. Vosseler ein Jugendbuch mit Gänsehautcharakter. Auf Empfehlung der Tochter und durch das ansprechende Buchcover und den Titel habe ich ohne vorher den Klappentext gelesen zuhaben, dieses Buch angefangen. Dem entsprechend war ich etwas überrascht über das Auftreten von Nathaniel, aber gleichzeitig faszinierte die Figur des Nathaniel auch und macht das Lesen so spannend. Neben dem Geist Nathaniel geht es um Amber, einem Mädchen, das ihre Mutter verloren hatte und von heute auf morgen aus einer deutschen Kleinstadt ins große amerikanische San Francisco zum fast unbekannten Vater ziehen musste.
Der Roman umfasst Trauerarbeit, Kennenlernen des unbekannten Vaters und das Erfahren von scheinbar Unmöglichen wie das Sehen können von Geistern.

Ich mag gar nicht so viel von unglaublich mitreißenden Geschichte verraten, denn ihr müsst sie einfach selbst lesen und das sage ich als jemand, der Fantasygeschichte eigentlich so überhaupt gar nicht mag. Lernt San Francisco kennen, ein starkes Mädchen und lernt mit ihr euch einander zu vertrauen und nicht alles als Verrückt abzustempeln.

 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Die Bücher haben wir regulär aus der hiesigen Bücherei ausgeliehen und die Rezensionen spiegeln unsere persönliche Meinung wider und stehen in keinem Zusammenhang mit einem Verlag, einem Internetanbieter oder sonst einem Händler, sondern sind aus freien Stücken entstanden.

[soul] Lesefutter – Letztendlich sind wir dem Universum egal

IMG_20150318_150342Lesen ist für mich nicht nur Lesefutter, sondern auch Entspannung und Seelenstreichelei. Schon immer habe ich Bücher verschlungen. Momentan sind es leider meist Fachbücher oder Studienbriefe. Die sind zwar auch spannend, aber doch keine Seelenstreichler und deshalb habe ich mir für 2015 vorgenommen mehr zu lesen. Im Januar ist mir das mit der Bücherdiebin ja schon gelungen. Der Februar stand ganz im Zeichen der zuschreibenden Klausur, aber dann hatte ich Zeit und Muse. Die Tochter hat mir dann David Levithan empfohlen. Sie war so begeistert, auch wenn sie das Buch noch gar nicht zu Ende gelesen hatte.

„Letztlich sind wir dem Universum egal“ – was für ein Titel. Ich will doch dem Universum nicht egal sein und doch weiß ich, dass ich als Einzelperson im Gros der Maße untergehen. Logisch. Aber gut, ich war neugierig, ob es sich eher um ein Jugendbuch handelt oder auch mich als quasi Erwachsene anspricht. Der Protagonist A ist sechszehn. Mmmh? Doch schon nach den ersten Seiten und der wunderbaren Aussage: „Früher oder später muss man mit der Tatsache Frieden schließen, dass man einfach existiert.“ war ich gefesselt. Eine wunderbare leichte Lektüre, die zum Nachdenken anregt, aber es einem nicht aufzwingt. A hat mich mitgenommen in die Gefühlswelt von sechszehnjährigen Mädchen, aber auch Jungen. Eines Kiffers oder einer völlig betrunkenen Sechzehnjährigen mit Filmriss mit dem Kontrastprogramm des Schwulen oder auch des sonntäglichen Kirchengängers. Viele Charaktere werden im Buch angerissen und doch keines ausführlich vertieft.

Wie das geht? Eigentlich ganz simpel: Die Hauptperson A ist weder männlich noch weiblich, schwul noch heterogen, religiös oder Atheist. A wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf. Immer in der näheren Umgebung. Und das schon von Geburt an. Jeden Tag hat A einen anderen Körper, muss mit einer anderen Vergangenheit zurecht kommen und mit neuen Eltern und Geschwistern. Levithan lädt den Leser dabei ein über das eigene Verhalten nachzudenken, über Vorurteile und zeigt auf, dass es wichtig ist genau hinzusehen, sich Gedanken zu machen und sich auch mal in die Haut des anderen zudenken. Und doch ist es nicht so aufdringlich wie ein Ratgeber, kein erhobener Zeigefinger. Eine einfache Geschichte über A, über die Liebe und die Schwierigkeit sich zu Verlieben, wenn man nicht so genau weiß, wer man morgen ist, wie man ist, in welcher Verfassung, mit welcher Überzeugung, was die Gesellschaft aus einem gemacht hat, welche Verpflichtungen man morgen hat.

Eine klare eindeutige Leseempfehlung von mir, aber auch von der Tochter. Letztendlich kann man es mit zehn lesen, aber auch noch mit fünfzig. Letztendlich sind wir zwar dem Universum egal, doch dem einzelnen Menschen eben doch nicht. Wir bedeuten unseren Mitmenschen mehr als wir so manches Mal vermuten.

[Buch] Die Glücksbäckerei

Ich komme ja momenten eher selten zum Lesen außer wenn es sich um Fachliteratur fürs Studium handelt. Aber in den letzten Tage war das Wetter so gut, die Kinder teils noch bei dem Opa und ich hatte so gar keine Lust zum Studieren, dass ich wieder ein Buch lesen wollte. „Normale“ Erwachsenenliteratur war mir da aber zu langwierig. Es sollte schnell gehen und da lag so ein ansprechendes Buch der Tochter herum: DIE GLÜCKSBÄCKEREI.

Ich hatte von dem Buch schon gelesen und hatte es auch schon favoritisiert als Geschenk für die Tochter, dann aber doch wieder verworfen. Jetzt hatte sie es sich aus der hiesigen Bücherei ausgeliehen und ich ahtte also Zeit und Lust. Schnapp, dass wird gelesen. Beschlossene Sache.
Toll für mich ist, dass es relativ große Schrift ist und die Seitenzahl sich in Grenzen hält. Und das ist nicht nur gut für mich, sondern bestimmt auch für viele Kinder, ganz besonders die Lesemuffel unter euch. Aber nun zur Geschichte:

Das Buch handelt von der Familie Glyck, die in einem kleinen Ort eine Bäckerei betreibt. Die meiste Zeit ist es eine ganz gewöhnliche Bäckerei mit gewöhnlichen Backwaren. Aber dann und wann geht Frau Glyck in ihre Küche und murmelt komisches Zeugs beim Backen und benutzt auch ganz außergewöhnliche Backzutaten wie einen schlafenden Zwerg oder das Auge eines Hexers. Heraus kommt Gebäck, welches den Menschen des Ortes helfen beim Sich-Verlieben, beim Gesundwerden, beim Lügen-Aufdecken. Dieses bleibt natürlich nicht unentdeckt und so fragt eines Tages die Bürgermeisterin der Nachbarstadt an, ob die Eltern Glyck ihnen bei der Bekämpfung der Grippe helfen können. Es sei dringend! Und die Stadt wird ihnen viel Geld dafür bezahlen.
Sie machen es, aber gänzlich kostenlos. So sind sie, Familie Glyck.

Während dieser Zeit dürfen die Kinder Thymo, Rose, Basil und Nella (eigentlich heißen sie ja: Thymian, Rosmarin, Basilikum und Pimpinella, aber so klingt es „normaler“) die Bäckerei schmeißen. Sie dürfen Backen und verkaufen, nur nicht das alte Backbuch benutzen mit den Zauberrezepten! Rose hatte sie doch schon so gefreut und natürlich will keiner ihrer beiden Brüder ihr helfen und die kleine Nella macht so oder so nur Unsinn. Als die unbekannte, wunderhübsche und durchtriebene Tante Lily mit ihrem Motorrad auftaucht, wird alles ganz anders. Die Brüder sind hin und weg und auch Nella verwandelt die Küche (gleichzeitig auch die Backstube) nicht mehr in Chaos. Aber warum grummelt es dann immer in Rose Bauch so stark, wenn Lily etwas von ihr will – spielt sie ein falsches Spiel?

Thymo und Basil wollen Tante Lily gefallen und sie fangen an zu helfen. Aber sie wollen mehr. Sie wollen Glycksgebäck backen. Drei verschiedene Rezepte werden sie ausprobieren, doch eines bringt mehr Unheil als das andere. Angefangen von Liebesmuffins, die nicht nur die beiden Zielpersonen erreichen, sondern eine ganze Horde Mädchen auf Thymo los lassen gehen bis hin zum Umkehr-Kopfüber-Kuchen, der im wahrsten Sinne des Wortes alles auf den Kopf stellt in dem kleinen Örtchen.

Tante Lily wird den dreien helfen, die auch ihre kleine Schwester Nella verzaubert haben. Aber sie zahlen einen hohen Preis dafür: sie haben ihr Familiengeheimnis in Gefahr gebracht.
Wird Rose mit Tante Lily gehen und reich und berühmt werden? Und werden die Vergiss-mich-Kekse die Familie Glyck das Backbuch und Rose für immer vergessen? Und was wird mit dem Backbuch passieren?

Ein wirkliches Happy End hat das Buch nicht, was gerade bei Kinderbüchern ja noch mehr überrascht. Aber so bleibt die Spannung erhalten auch den Nachfolger der Glücksbäckerei zu lesen. Das werde ich auf jeden Fall tun und auch die Tochter, die das Buch aber noch nicht ganz durchgelesen hat.

Mein Tipp: Unbedingt lesen!
Den Anfang fand ich etwas schleppend, wie auch das Ende ein wenig. Aber den Rest des Buches habe ich hier herzlich gelacht. Etwas gruselig ist es zwischen drin, aber so muss das sein beim Zaubern. Die vier Kinder wirken so herrlich menschlich und vollkommen natürlich. Man will alles ausprobieren und sein wie die Erwachsenen, das da mal etwas schief geht, ist doch vorprogrammiert. Lesen!

 

Der Deutschkurs

Seit Anfang November darf ich wie bereits erwähnt einen Deutschkurs im hiesigen Familienzentrum leiten. Am Anfang war ich schon recht unsicher, denn klar ich kann meine Muttersprache, mit der Grammatik hatte ich nie Probleme und didaktisch werde ich zum Teil durch das Studium auf das Lehren von Erwachsenen vorbereitet. Doch ich bin keine ausgebildete Deutschlehrerin und bis auf Nachhilfeunterricht in Mathe habe ich auch noch nie ein reguläres Schulfach unterricht. Aber einmal ist immer das erste Mal und ich habe mich irrsinnig gefreut eine tolle Herausforderung zu haben.

Eine weitere Herausforderung war die Vorkenntnisse der Teilnehmerinnen nicht zu kennen. Und gerade die erste Stunde ein Abenteuer. Das Abenteuer ist geblieben. So können zwar alle „unsere“ Buchstaben und unser Alphabet und z. B. nicht nur die arabischen Schriftzeichen, aber die Vorbildung ist wirklich sehr unterschiedlich. So kann eine Teilnehmerin kaum ein Wort Deutsch und muss erst einmal Vokabular aufbauen, eine andere hat dafür kaum grammatikalische Grundkenntnisse, nicht mal in ihrer Muttersprache, weil sie nur zwei Jahre zur Schule gegangen ist. Die anderen beiden Frauen haben rudimentäre Deutsch- und Grammatikkenntnisse. Alle sind sehr nett und aufgeschlossen und ich habe das Gefühl sie wollen lernen. Bis auf eine Frau, die leider ein krankes Kind zu Hause hat, kommen auch bisher alle regelmäßig zu unseren Treffen. Vielleicht ist das auch ein Vorteil, dass wir im Familienzentrum/Kindergarten lerne und unsere Kinder gemeinsam dort hingehen und wir uns so öfter über den Weg laufen.

Ein Vertrauen konnte aufgebaut werden.

Das Unterrichten an sich ist in dieser aufgeschlossenen Gruppe nicht besonders schwierig. Was es schwierig macht, sind die unterschiedlichen Voraussetzungen. So bereite ich meist zweierlei Übungsblätter vor je nach Kenntnisstand und persönlichen Möglichkeiten. Ich habe aber auch den Vorteil, dass ich keinerlei Vorgaben vom Bildungsträger bekommen habe. Angefangen sind wir jetzt mit Nomen, Verb und Adjektiv. Dabei haben wir uns am Kindergartenmaterial bedient und passend zum Winter die Wetterlage und die passende Kleidung thematisiert. Zur Hilfe haben wir ein Winterwimmelbild genommen wie auch schon Memorykarten, um erstes Vokabular aufzubauen.

Das meiste Unterrichtsmaterial stelle ich selbst zusammen, aber ich orientiere mich auch an anderem Da gibt es wunderbares Material frei verfügbar im Netz. Herzlichen Dank dafür. Gerne teile ich es mit euch. Fündig werde ich häufig hier oder hier. Gerne teile ich auch mein Material mit euch, zum Beispiel das Übungsblatt zum Winterwetter Übungsblatt Winter.

 

Vorlesen immer wichtiger

Ich finde Vorlesen prinzipiell schon wichtig. Am 16.11.12 war bundesweiter Vorlesetag. Beim Sohnemann im Kindergarten hat der Pastor wie der Bürgermeister den Kindern vorgelesen. Leider haben nicht alle Kindergärten des Ortes mitgemacht. Denn noch immer ist vielen nicht klar wie wichtig Vorlesen für Kinder ist. Gerade auch im Kleinkindalter. Nicht nur der Spracherwerb wird gefördert, sondern auch Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit und besonders wichtig: den Kindern wird vermittelt „ich bin für dich gerade da!“

Für mich ist es selbstverständlich zu lesen und den Kindern auch vorzulesen. So gibt es für jeden eine Gute-Nacht-Geschichte am Abend. Aber auch sonst wird viel gelesen oder Bücher geschaut, kommt ja immer auf das Alter an. Die Große liest schon eigenständig und verschlingt die Bücher gerade zu. Der Sonnenschein mag Sach- und Wimmelbücher, typisch Junge eben. Und Nummer drei lässt sich hier von allen vorlesen und Bilderbücher zeigen. Doch so selbstverständlich scheint das Vorlesen nicht zu sein. So sprach mich im Sommer ein Nachbar an. Der total verwundert war, dass wir doch zu viert auf der Bank draußen saßen und zusammen ein Buch gelesen haben (Die kleine Spinne Wunderlich. Ein tolles Buch über Spinnen, Familie und warum man sich ekelt oder Angst hat). Der Nachbar hat selbst Kinder, aber sie interessieren sich nicht sonderlich für Bücher. Ihnen wurde aber auch nur selten vorgelesen. Noch verwunderlich, wenn man den Hintergrund kennt, dass die Familie lange Jahre ein Schreibwarengeschäft mit Bücherverkauf betrieben hat. Und auch sonst hört man immer mal wieder. Vorlesen, nein warum denn. Vielleicht mal ein Hörspiel. (klar geht ja auch so schön einfach).

Adventszeit ohne Weihnachtsgeschichten?
Ins Bett gehen ohne Gute Nacht Geschichte?
Lange Winternachmittage ohne Bilderbuchschauen?
Für mich undenkbar und für unsere Kinder auch.

Noch fehlt mir etwas die Zeit, um anderen Kindern vorzulesen. Außerdem möchte ich mich beruflich ja eher Richtung Seniorenbildung, Seniorenarbeit orientieren. Vor zwei Jahren habe ich mal Kurse mit der Thematik Geschichten erzählen belegt, doch leider feststellen müssen, dass mir das freie auswendiggelernte Erzählen nicht sonderlich liegt. Ich mag es mit Kindern und Menschen in Kontakt zu kommen, aber habe doch lieber etwas Handfestes wie z. B. ein Buch vor mir, in das ich dann bei Bedarf doch nochmal schauen kann. Auch wenn sich Vorlesen durchaus sehr ähnelt.

Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen hat am vergangenen Freitag ein Seminar für die Ausbildung von Referenten für die Schulung von Vorlesepaten für Senioren und Seniorinnen angeboten. Und ich habe mich angemeldet und war in Oldenburg. Das Seminar war recht aufschlussreich. Gestaltet und durchgeführt von der Stiftung Lesen, geleitet von Christine Kranz. Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen bietet häufig Kurse für die Fortbildung und Ausbildung von Vorlesepaten an. Wenn es passt, werde ich weitere Seminare dort besuchen. Jetzt möchte ich etwas Praxiserfahrung sammeln, neben dem Vorlesen für unsere Kinder und werde mich mal in meiner Stadt umhören. Bisher gibt es keine Initiative hier und die Stadtbücherei will auch momentan noch nichts anbieten. Verweist auf den Caritasausschuss der Pfarrgemeinde, die momentan Lesepaten für eine Grundschule hier suchen. Das ist auch eine tolle Sache, die ich bei unserer Großen in der Schule in der ersten und zweiten Klasse gemacht habe, ist aber etwas anderes wie Vorlesepaten. Jetzt heißt es Kontakte knüpfen, Gleichgesinnte suchen und einen Partner, der einen willkommen heißt und sich freut, wenn Menschen vorgelesen wird.