[Selbstliebe] 1000 Fragen an mich selbst

Selbstliebe. Etwas, was mir lange fremd war. Ich mochte mich nicht, meinen Körper nicht und auch alles Drumherum nicht. Aber ich habe gekämpft und tue es aktuell wieder. So viele Eindrücke sind auf mich eingeprasselt, es gab viele einschneidende Ereignisse in den letzten Jahren und die Aufgaben werden immer mehr. Der äußere Druck nahm immens zu, aber auch ein innerer Druck ist entstanden. Auszeiten waren nicht in Sicht,  nicht realisierbar, und auch die Freizeit wurde geringer, soziale Kontakte blieben zeitweise aus. Ich würde vergesslich, teils unzuverlässig und meine Geduld war abhanden gekommen. Mein Gefühl für mich selbst und meinen Körper, der immer mehr rebellierte, war verloren, irgendwo auf der Strecke geblieben. Die Hausärztin hätte mich gerne aus dem Verkehr gezogen, war aber nicht möglich. Jetzt suche ich mein Selbst, meine innere Mitte und meine Liebe zu mir selbst und meinen Körper wieder. Nur eine Mutter, die sich wohlfühlt und gesund ist, kann für ihre Kinder dasein – zumindest ist das meine Auffassung und Meinung.

Passenderweise hat die liebe Jessica von feiersun.de eine ähnliche Idee wie auch Johanba von pink-e-pank.de. Ich schließe mich den beiden so wie vielen anderen an und werde die 1000 Fragen der Flow an mich selbst beantworten. Und weil ich einen Halt brauche und etwas Verlässlichkeit, werde ich das ganze hier im Blog tun. In kleinen Schritten. 1000 auf einmal überfordert mich. Langsam und mit Bedacht und wenn eine Frage mir mal zu persönlich ist, dann werde ich sie auslassen.

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01. Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?

In den letzten zei Wochen. Zum ersten Mal habe ich ein 3000 Teile Puzzle zusammengesetzt. Es lag schon länger hier und nie war die Gelegenheit dazu. Jetzt passte es perfekt. So schön, wenn man wieder ein Teil gefunden hat und das Puzzle Teil für Teil zu einem großen Ganzen wird – und wie das Puzzle wird ich mein Selbst weder Stück für Stück sich zusammensetzen. Es wird seine Zeit brauchen, aber die Zuversicht ist schon zurück.

02. Mit wem verstehst du dich am besten?

Mit meinem Mann, dem besten dm ich über den Weg laufen konnte.

03. Worauf verwendest du viel Zeit?

Im Normalfall Studium, Arbeit und Haushalt und wenn mal etwas Freizeit übe ist, dann sehr gerne mit meiner Familie, der Nähmaschine oder einem guten Buch.

04. Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?

Öhm. Ähm. Über Situationskomik. Witze erzählen kann ich gar nicht.

05. Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst?

Ja.

06. Woraus besteht dein Frühstück?

Am Wochenende aus Tee, Mehrkornbrötchn oder selbstgebackenen Brötchen, Käse oder Wurst. In der Woche aus Wasser, manchmal einer Banane oder einem Apfel. Der große Frühstücker war ich noch nie. Sorry.

07. Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben?

Meiner Jüngsten heute morgen beim Verabschieden zur Schule.

08. In welchem Punkt gleichst du deiner Mutter?

Hoffentlich gar nicht. Ach Quatsch! Ähnlich wie meine Mutter versuche ich grundsätzlich zu erklären warum etwas geschieht, wie etwas funktioniert und/oder wir versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden. Ich mag ebenso Mathe und Hnarbeiten. Allerdings versuche ich sehr vielesbewusst anders zu machen. Habe Angst mich ähnlich zurückzuziehen und mich einzuigeln.

09. Was machst du morgens als Erstes?

Ins Bad gehen.

10. Kannst du gut vorlesen?

Ich denke schon, zumindest haben es die Kinder immer geliebt und ich mache es sehr gerne.

11. Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?

Puh keine Ahnung. Aber wenn überhaupt, dann war es das Christkind. Der Weihnachtsmann spielte bei uns keine Rolle. Weihnachten war eh eher schwierig.

12. Was möchtest du dir unbedingt irgendwann einmal kaufen?

Ein Ferienhaus, um hier endlich mal rauszukommen.

13. Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne?

Das ist eine schwierige Frage. Ich habe mich mit meinen Eigenschaften und Fähigkeiten gut arrangiert. Aber es wäre schön, wenn ich schneller vergessen könnte und nicht alles immer wieder hinterfragen müsste. Prinzipiell ein toller Charakterzug, der mich manchmal aber etwas lähmt und einschränkt.

14. Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen?

In aller Freundschaft

15. Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen?

Keine Ahnung, dass ist so gar nicht meins. Die Kinder und der Mann waren im Sommer in Fort Fun und dieses Jahr soll es zum Moviepark gehen. Ich gehe lieber in Zoos und Museen.

16. Wie alt möchtest du gern werden?

70, vielleicht 80.

17. An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück?

An den am Jadebusen. Der erste Urlaub zu fünft.

18. Wie fühlt sich Liebeskummer für dich ?

Schmerzlich, aber der letzte ist schon verdamme lange her. Und das ist auch gut so!

19. Hättest du lieber einen anderen Namen?

Früher auf jeden Fall. Heute mag ich ihn.

20. Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

Ständig. Leider. Selbstzweifel gehören zu mir genau wie meine Haare, aber ich finde wichtig, dass sie nicht überhand nehmen. Das bedeutet allerdings auch jede Menge Arbeit und Anstrengung.

Mehr Antworten von vielen tollen Menschen findet ihr in der Linkliste von Johanna von pink-e-pank.de und bei Jessi von feiersun.de. Die Fragen stammen aus einer Beigabe der Zeitschrift Flow.

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Mein Kind ist anders – die Elternperspektive

Über die sonstige Aufmerksamkeitsstörung, ähnlich ADS/ADHS, unseres Kindes habe ich bereits berichtet. Aber wie ist das eigentlich als Elternteil? Denn nicht nur für das Kind ist eine Andersartigkeit, wie auch immer sie ist, eine Belastung, sondern es kann auch schnell zur Belastung der Eltern und gar der kompletten Familie führen.

Bei Beeinträchtigungen und Störungen wie ADS, ADHS, Autismus, Asperger Syndrom, Hochsensibilität und einige andere ist die Beeinträchtigung nicht von Geburt an klar und deutlich erkennbar. Zudem gibt es zahlreiche Unterformen, Überschneidungen und Spektren besagter Krankheiten. Ja, es sind Krankheiten, ähnlich einer Sehschwäche, nur das sie andere Auswirkungen haben und meist nicht durch das Tragen einer Brille bzw. das Einnehmen eines Medikamentes verbessert oder geheilt werden können.

Mein Kind verhält sich anders

Irgendwann merkt man als Eltern das etwas mit dem eigenen Kind anders ist. Es verhält sich vielleicht ‚komisch‘. Es ist anders wie gleichaltrige Kinder. Bei uns war es zum Beispiel so, dass unser Kind immer sehr langsam in seinen Ausführungen war. Wir hatten ein Gefühl, das uns sagte: das Kind ist anders, ohne das wir es spezifizieren konnten. Wir planten mehr Zeit ein und übten uns in Geduld. Irgendwann sind wir dann doch mit dem Kind zum Arzt. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen.

Motivationstag 1

Was tun, wenn ich einen Verdacht habe

Was ist zu tun, wenn man als Elternteil bemerkt, das das eigene Kind sich anders verhält als die gleichaltrigen Spielkameraden? Der erste Weg sollte zum Kinderarzt führen.  Im Idealfall kennt dieser euer Kind schon von Geburt an und nimmt sich Zeit für einen Gesprächstermin.

Und dann wird es meist schwierig und langwierig. Kind und Eltern brauchen einen langen Atem und gutes Durchhaltevermögen. Nicht jegliche Andersartigkeit, Langsamkeit oder Hibbeligkeit hat eine krankhafte Ursache. Ihr könnt im Vorfeld schon einmal selbst euch und euren Alltag reflektieren:

  • Wie ist unser Tagesverlauf strukturiert?
  • Haben wir klare Regeln im Alltag?
  • Zeigte mein Kind schon immer diese Auffälligkeit oder gab es einen bestimmten Zeitpunkt für die Veränderung?
  • Gibt es bestimmte Situationen, in denen mein Kind anders reagiert?
  • Woran mache ich die Andersartigkeit fest? Könnte es vielleicht auch einfach ein Charakterzug sein? Eine Phase des Älterwerdens?
  • Gibt es ähnliche Verhaltensweisen bei nahen Verwandten?

Die Fachärzte wie Kinder- und Jugendpsychologen und -psychiater und auch die sozialpsychologischen Zentren (SPZ) sind leider sehr überlaufen und man muss sich auf längere Wartezeiten einstellen. Toll ist es, wenn sich dann beim Ersttermin der Arzt Zeit nimmt und viele Fragen stellt, aber auch den Eltern und besonders dem Kind Raum gibt selbst zu erzählen. Ich fande es damals sehr gut, dass der zuständige Psychologe schon beim ersten Termin sagte: „Ich werde sie heute nicht mit einer Dignose nach Hause schicken, sondern wir werden in umfangreichen Diagnostikterminen erst einmal ihr Kind kennenlernen.“

Diagnostik ist wichtig, eine Diagnose nicht immer eindeutig

Natürlich will man als Eltern wissen was mit seinem Kind ist, aber nur eine langsame und gründliche Diagnostik führt in dem großen Feld der psychischen Störungen zu einem (Teil-)Ergebnis. Und wenn ihr Pech habt wie wir, dann bekommt man eben keine eindeutige Diagnose, weil es eben nicht eindeutig ist. Die Problematik besteht dann allerdings darin, dass den Schulen und anderen Institutionen begreiflich zu machen und diese etwas uneindeutige Diagnose dennoch anzuerkennen.

Nach der Diagnose geht der Marathon erst recht los. Die Diagnose alleine macht das Kind nämlich nicht zu einem anderen Kind. Unser ruhiges, verträumtes Kind wird nicht durch ein Medikament oder durch eine Therapie nun zu einem aufbrausenden, lebhaften Rabauken und andersherum eben auch nicht. Die Diagnose erleichtert das Therapieverfahren.

Was fehlt ist Unterstützung ohne langes Betteln

Was mir persönlich wirklich fehlt ist Unterstützung im Alltag.  Momentan sehen wir den zuständigen Psychologen alle 6 Monate zu einem kurzen Gespräch. Mehr nicht. Leider müssen wir uns als Eltern engagieren, wenn wir Hilfe oder weitere Therapien für unser Kind möchten. Niemand zeigt einem dort ist eine Selbsthilfegruppe, hier können sie eine Kur beantragen, dort können sie Hilfe im Alltag beantragen oder die einfache Frage nach einer Unterstützung im Alltag durch z. B. weitere Ergotherapie oder eine Möglichkeit einer Auszeit für die Familie vom Alltag.

Häufig stoßen wir als Familie im Alltag an unsere Grenzen. Ein Kind mit einer psychischen Störung in der Familie zu haben und zu betreuen, ist eine Belastung für die komplette Familie. Es betrifft eben nicht nur das Kind selbst, sondern auch uns Eltern und auch die Geschwisterkinder. Für mich bleibt wenig Zeit im Alltag selbst. Unser Kind braucht eine Betreuung bei seinen Hausaufgaben, die durch sein verlangsamtes Arbeitstempo länger als gewöhnlich dauern. Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Regeln ist unabdingbar. Leider aber gar nicht so einfach umsetzbar, denn mit drei Kindern ist ja doch immer etwas anderes Unvorhersehbares. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, die viel Kraft erfordern. Natürlich sind Auseinandersetzungen mit Kindern normal und doch ist das hier so manches Male eine ganz andere Dimension. Ich denke da auch an andere Störungen und Situationen, die für alle Beteiligten schnell zur Überforderung führen. Konsequenzen soll das Fehlverhalten haben, aber wie diese umsetzen und immer wieder die Frage: Hat das Kind in diesem Moment bewusst gehandelt oder sich von inneren Impulsen steuern lassen?

Schmetterling entdeckt

Unterstützung und Verständns, zwei Wünsche meinerseits

Dann sitzt man da und weiß nicht weiter. Was ist zu tun? Wie kommen wir aus der Situation heraus? Wer kann uns helfen? Fragen, die ich so nicht beantworten kann, denn es geht ja nicht nur uns so, sondern vielen mit Kindern mit Besonderheit und es ist sehr individuell. Doch ist es eben nicht so offensichtlich für andere zusehen, dass Hilfe benötigt wird. Ein gebrochenes Bein ist da viel sichtbarer und auch zeitlich begrenzter. Als betroffenes Elternteil wünsche ich mir Unterstützung und Verständnis für mich als Mutter/Vater, aber auch für mein besonderes Kind und seine Geschwister. Ganzheitliche Therapieansätze seitens des Gesundheitssystem sowie klar erkennbare Unterstützungs- und Hilfemöglichkeiten für uns als Familie. Seitens der Gesellschaft wünsche ich mir Verständnis, Zeit und mal ein hast du Lust auf einen Kaffee, denn sich mal den Frust von der Seele reden tut häufig schon ganz gut.

Gebt als Eltern besonderer Kinder nicht auf. Holt euch Hilfe, wenn ihr sie benötigt. Bleibt hartnäckig bei Ärzten und Therapeuten und fragt gezielt nach, denn ansonsten bekommt man nicht immer die Informationen, die so hilfreich wären.

Als Tante, Onkel, Oma, Opa, Freund oder Freundin bietet eure Hilfe an. Unternehmt vielleicht mal etwas mit dem besonderen Kind, damit die Eltern exklusive Zeit für das/die Geschwisterkind/er haben oder einfach nur durchatmen können. Ladet zum Kaffee ein oder zum gemeinsamen Spaziergang und habt ein offenes Ohr. Seid verständnisvoll und nicht allzu kritisch mit den Eltern, denn das sind auch nur Menschen, die vielfach sich am Rande ihres Leistungsvermögens befinden.

 

Unser Kind hat eine Aufmerksamkeitsstörung – Teil bis zum Kindergarten

Es ist gar nicht so leicht darüber zu sprechen. Das Thema ist so wahnsinnig komplex und negativ besetzt, dass es schwierig ist die richtigen Worte zu finden ohne als Rabeneltern oder als überforderte oder nach Geltung suchende Eltern wahrgenommen zu werden. Wir lieben unser Kind so wie es ist. Es ist toll. Perfekt auf seine Art. Und wenn ihr ihn das erste Mal seht, dann nehmt ihr diese ominöse Aufmerksamkeitsstörung auch gar nicht wahr.  Weiterlesen „Unser Kind hat eine Aufmerksamkeitsstörung – Teil bis zum Kindergarten“

Ein Rucksack, eine Erinnerung und ein Versprechen

Alles hat seine Zeit und im traurigsten Moment kommt da doch ein Sonnenstrahl hervor. Wenig tröstlich im konkreten Augenblick der Trauer, aber mache ruhig die Augen auf und vertraue darauf, dass es gut wird.

Vor einem Jahr ist mein Vater verstorben. Ein einschneidendes Ereignis voll Trauer und Traurigkeit. Alles war ungewohnt. Vieles zu organisieren. Kaum blieb Zeit durchzuatmen. Am Tag der Beerdigung war auch meine Lieblingscousine gekommen. Sie hatte sich extra den weiten Weg von der schweizerischen Grenze bis zu uns ins Münsterland aufgemacht, um uns bei zustehen. Welche eine tolle Geste.  Weiterlesen „Ein Rucksack, eine Erinnerung und ein Versprechen“

Drei Kinder – nicht immer einfach, aber einfach schön

Ein Vater. Eine Mutter. Drei Kinder.
Ein Mann. Eine Frau. Zwei Mädchen. Ein Junge.
Aber auf jeden Fall: eine Familie!

Doch ehrlich: einfach ist das nicht immer. Es sind halt auch 5 ganz unterschiedliche Menschen, mit einigen Gemeinsamkeiten. Gerade jetzt in diesen für uns sehr turbulenten Zeiten, fällt es mir immer wieder auf. Als Eltern sind wir verantwortlich für diese drei wunderbaren Wesen, denen wir dieses Leben geschenkt haben. Dieses eine Leben. Sie fordern uns jeden Tag aufs Neue heraus.

Mit der Großen haben wir schon so oft mitgelitten als sich Selbstzweifel ankündigten, das Selbstbewusstsein kaum noch vorhanden war. Was tun? Das ist so schwer als Mutter oder Vater. Was tun? Wie kann ich meinem Kind helfen wieder zu mehr Selbstbewusstsein zukommen? Es galt sie zu stärken. Ihr zu zeigen, dass sie so viele verborgene Talente hat – auch wenn es keine sportlichen Aktivitäten sind. Wenn stört das? Müssen alle Menschen wie wild Sport machen – nein mein Kind, dass musst du nicht. Du kannst singen, du kannst schauspielern, du kannst so wunderbar nähen und bist unheimlich kreativ. Mache etwas daraus! Mittlerweile spielt sie in ihrer zweiten Saison bei den Freilichtspielen Bad Bentheim, hat ihren ganz eigenen Kleidungsstil gefunden und meistert die Tücken der Pubertät mal mehr und mal weniger gut. Aber das ist eine Herausforderung für uns alle und dieses nicht Fisch nicht Fleisch sein ist eine Zeit des Lernens fürs Kind, aber auch für uns Eltern. Und etwas Sport ist in dein Leben auch getreten: deine entdeckte Liebe zum BvB. Schwarzgelb ist eben nie verkehrt!

Der Herr, der Sonnenschein. Ein so besonderes Kind. So viel musstest auch du schon durchmachen. Eine OP mit gerade mal 8 Wochen. Tapfer wie du bist, hast du es super gemeistert. Du forderst uns jeden Tag aufs Neue heraus. Wir machen uns auf, einen neuen Weg zu gehen. Trotz deiner Besonderheit aka Aufmerksamkeitsschwäche hast du die Grundschule hervorragend gemeistert und bald geht es auf die weiterführende. Boah, was haben wir Eltern hin- und herüberlegt. Welche Schule ist die richtige? Welche Schule wird dich in deinem Weg weiter so gut unterstützen wie es die Grundschule tat? Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche mit deinen Lehrern, deinen potentiellen zukünftigen Lehrern und den Psychologen, die dich seit Jahren begleiten, geführt. Ob wir am Ende die richtige Entscheidung getroffen haben – ach, dass kann ich dir nicht beantworten. Wir werden es gemeinsam versuchen. Der neue Weg momentan heißt: Medikation (dazu später mal mehr, noch ist es eine zaghafter Versuch).
Aber wir wollen dich gar nicht auf deine Besonderheit reduzieren. Das wäre nicht fair. Nach dem Fußball, spielst du nun total leidenschaftlich Basketball. Jeder Freund ist dir hier willkommen und ein größeres Herz als deines, gibt es wohl nicht. Herausfordernd, kraftzehrend, aber dafür werden wir doppelt und dreifach belohnt. Du bist der Junge mit dem angeborenen Sixpack (wofür dich deine Schwester absolut beneidet) und dem breitesten Grinsen. Herr Sonnenschein.

Und unsere Kleinste. Sie rockt gerade die Schule. Ist allseits beliebt.Fürchtet sich aber vor der kleinen, sehr zutraulichen Katze, die gerade die Nachbarschaft unsicher macht. Unser kleiner, großer Wirbelwind. Momentan forderst auch du uns heraus, weil wir einfach zu wenig Zeit für dich haben. Du läufst so mit und willst doch einfach mehr. Auf deine charmante Art bringst du nicht nur deinen Bruder zur Weißglut, sondern auch gelegentlich deine Eltern. Den größten Dickkopf hast eindeutig du, aber das ist ok. Du bist noch auf der Suche, lernst die Welt gerade erst kennen. Sport? Musik? Freunde? Schule?  – alles neu und unbekannt. Entdeckungstour ist angesagt. Die Bücherliebe teilst du mit deiner großen Schwester, powervoll wie dein Bruder und doch auf deine Art ganz einzigartig. Es kommen auch wieder Zeiten, in denen du im Mittelpunkt stehst. Ganz bestimmt.

Drei Kinder. Jedes einzigartig. Im Laufe der Jahre haben wir als Eltern gelernt, dass es immer wieder Zeiten gibt, in denen eines mehr Aufmerksamkeit und Kraft von uns benötigt. Das muss man als Eltern aber erst einmal akzeptieren können und damit umgehen lernen. Das war ein langer Prozess. Ein Kind fordert mehr an Aufmerksamkeit ein? Dann stellen wir uns die Frage, ob es recht haben könnte oder welche Ursache es sonst haben könnte. Wir versuchen dann wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Das heißt nun nicht: wir holen die Stoppuhr heraus. Im Gegenteil, meist ist Entschleunigung und mehr gemeinsame Familienzeit dann wichtig, um allen dreien Aufmerksamkeit schenken zu können ohne sich als Eltern zu zerreißen. Andererseits lernen unsere Kinder so auch, dass wir uns gegenseitig unterstützen müssen. Immer häufiger merkt man dann, dass sie sich gegenseitig unterstützen und helfen, kleine Aufgaben übernehmen und uns als Eltern damit auch ein Stück weit entlasten. Hat die Kleine ihre Hausaufgaben schon fertig, der Sohn braucht aber noch meine Unterstützung, so nimmt die Große ihre kleine Schwester schon mal mit zu sich ins Zimmer und sich suchen gemeinsam nach Beschäftigungsmöglichkeiten, z. B. die Kleine malt ein Bild und die Große macht ihre Hausaufgaben. So sind wir alle etwas entspannter. Oder der Sohn erklärt seiner großen Schwester ihre Matheaufgaben, wenn mir die passenden Worte fehlen (er hatte nämlich verstanden, was ich der Großen versucht habe zu erklären *lach*).

Es ist nicht immer einfach als Eltern sich in seine Rolle einzufinden und sie auszufüllen, aber gemeinsam kann man viel schaffen. Wir haben uns entschlossen die Kinder einzubeziehen. Jeder übernimmt seine Aufgaben, hat aber auch ein Auge darauf, wenn es bei einem gerade mal nicht so läuft und hilft ihm dann. Egal ob Geschwister oder einem Elternteil. Nicht immer und nicht bei allem, aber immer im Rahmen seiner Möglichkeiten und täglich lernen wir gemeinsam dazu.

Ich bin ein Mensch, oder doch eine Frau?

Ich bin ein Mensch.
Ein Mensch, wie du.

Ich bin auch eine Frau.
Ich möchte nicht auf mein Geschlecht reduziert werden.
Ich möchte als Mensch akzeptiert werden.
Ich möchte für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen.
Ich möchte mit meiner Qualifikation die gleichen Chancen haben –
keine besseren und keine schlechteren.
Ich möchte nicht reduziert werden auf weibliche Attribute.
Ich bin ein Mensch, egal ob mit oder ohne großen Brüsten.

Ich bin ein Mensch.
Ein Mensch, egal ob Mann oder Frau.

Ich bin auch eine Mutter.
Ich möchte aber nicht nur auf meine Kinder reduziert werden.
Ich bin für meine Kinder da,
Ich möchte aber auch arbeiten –
Vollzeit oder Teilzeit? Ich kann gut für mich selbst entscheiden, was ich schaffe.

Ich bin ein Mensch,
egal ob Mutter oder Vater.

Ich bin auch Ehefrau.
Ob mit Mann oder Frau, kann das dir nicht egal sein?
Ich entscheide für mich.
Ich bin ein Mensch, egal ob Frau oder Mann, hetero, homo oder transsexuell.
Ob ich früher ein Mann war? – Leben wir nicht im Jetzt?

Ich bin ein Mensch.
Ein Mensch, wie du.

Ich bin nicht perfekt.
Bist du es?
Ich bin nicht  immer perfekt geschminkt und gestylt?
Bist du das?
Ich habe einen Bauch.
Bist du das perfekte Model?

Ich bin ein Mensch.
Ein Mensch, wie du
und ich verdiene den gleichen Respekt, wie du ihn verdienst.
Ich reduziere dich nicht auf das Attribut Mann 😉

Mehr beim Feministischen Netzwerk und vielen anderen Bloggern, aufgerufen hat das Kaiserinnenreich.

Ein Tag ohne mich – Weltfrauentag – meine Sicht

Der 8.März 2017. Es ist Weltfrauentag. Wir Frauen werden aufgefordert heute unsere Arbeit niederzulegen und zu streiken. Generalstreik. Für Frauenrechte und gegen Diskriminierung. Hier und auf der ganzen Welt. Alternativ ein Blogartikel zum Thema #eintagohnemich und trage die Farbe rot, als Zeichen der Solidarität mit allen streikenden Frauen heute.

Streiken? – Ich?

Was soll es bringen, wenn ich einen Tag lang streike? Wird die Welt davon zusammenbrechen? Wird sich dadurch etwas ändern? Wohl eher kaum und auch hier zuhause klappt ein Tag ohne mich durchaus. Erst am Montag war es so, dass der Mann meinen Part am Tag übernommen hat, während ich mich mit meiner Klausur abgemüht habe. Das ist möglich bei uns, auch wenn man schon zugeben muss, dass vieles dennoch liegen bleibt. Wie die Wäsche, die zwar in die Maschine geräumt wurde und gewaschen wurde, aber leider dann nicht mehr in den Trockner gewandert ist und von gebügelt und gefaltet und in die Schränke geräumt will ich gar nicht von sprechen und der 2. und 3. nötigen Maschine. Die Welt bricht aber nicht zusammen, wenn es um einen Tag geht. Eine Woche, ein Monat, das wäre etwas anders. So lange kann der Mann nicht der Arbeit fernbleiben, unsere Existenz wäre massiv gefährdet und eine (kurzfristige) Betreuung für solch einen Zeitraum nicht einfach organisierbar, wenn überhaupt. Ich sehe da keine Möglichkeit.

Doch es geht um mehr, als um das was ich hier tue. Es geht um das große Ganze, um nicht weniger. Anerkennung und Akzeptanz von Frauen und ihren Leistungen für die Gesellschaft. Bei uns ist es wie bei vielen anderen auch die Frau, sprich ich, die sich um die Kinder, den Haushalt, Freizeit und vor allem um Organisation des Ganzen kümmert. Natürlich übernimmt der Mann respektive der Vater auch einen Teil, doch den größten Teil des Tages ist er auf seiner Arbeitsstelle und somit außer Haus. Wäre die Situation andersherum, ich bin mir sicher er würde Haushalt, Kinder, Freizeit und Co auf seine Weise ebenso meistern. Wenn ich so wie heute nachmittag arbeite, dann sorge ich für die Kinderbetreuung und werde teils noch müde dafür belächelt, dass ich das was ich da tue auch noch Arbeit nennen. Traurig.

Warum sollte ich also heute streiken oder mindestens mich einsetzen für Frauenrechte, Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung? Weil es mich traurig macht, dass genau diese beschriebene Carearbeit meist der Frau zugeteilt wird und selten eine Anerkennung bekommt. Nicht innerhalb der Partnerschaft, sondern von Seiten der Gesellschaft, der Großeltern, der Nachbarn, ErzieherIn, der LehrerIn, der TherapeutIn, der Arbeitgeber, der Politiker, der Freundin/des Freundes etc.

Im Lebenslauf Kinder nennen?

Erst vor wenigen Tagen habe ich eine Diskussion auf Facebook verfolgt, in der es darum ging, ob eine 40jährige Frau mit akademischen Titel in ihrem Lebenslauf ihr Kind sowie das Alter (ihres und das des Kindes) angeben sollte oder nicht. Ähm was ist das bitte für eine Frage? Für mich würde sie sich nicht stellen. Bisher!
Denn die Diskussion mit einigen PersonalerInnen zeigt, dass das sehr wohl ausschlaggebend sein könnte und auf Grund des Kindes die Stelle nicht bekommen würde. Für den potentiellen Arbeitgeber steht häufig fest: Wer als Frau Kinder hat, der ist häufig nicht flexibel und häufiger krank oder fehlt häufiger, weil die Mutter sich ums Kind dann kümmert muss. Einem Mann würde dieses nicht angelastet. Hey, dass ist unfair!

Was kann das für mich bedeuten?

Da stellt sich schon für mich die Frage: wenn ich mich demnächst bewerbe, gebe ich dann meine Kinder an und ihr Alter? Denn dann ist klar ersichtlich, dass ich früh schwanger geworden bin (Kann die nicht verhüten? Die war doch viel zu jung.) Und wie will sie das mit drei Kindern machen? Ständiges Fehlen können wir uns nicht leisten, also gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einladen?!
Aber wenn ich sie nicht angebe, wie erkläre ich die große Lücke zwischen Ausbildung, Studium und Arbeitssuche? Die längere Studienzeit könnte mir dann auch nachteilig angelastet werden.

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Gegen Diskriminierung, mehr Toleranz!

Diskriminierung ist also doch auch 2017 immer noch überall zugegeben und wir sollten uns dagegen auflehnen. Einen Generalstreik halte ich nicht für sinnvoll, aber die Möglichkeit die Öffentlichkeit auf Diskriminierung und Unrecht immer wieder zunutzen, auch nicht verstreichen. Also Frauen dieser Welt kämpft für unsere Rechte und gegen Diskriminierung (egal ob von Frauen, Kindern, Andersdenkenden) Für eine tolerantere Welt. Für eine breitere Öffentlichkeit sammelt das feministische Netzwerk alle Beiträge. Danke dafür.

Unsere Welt, unsere Gesellschaft muss toleranter werden und sich gegen jegliche Diskriminierung wehren.  Auch wenn ich vieles nicht verstehe und noch viel mehr für mich selbstverständlich erscheint, so ist es das leider nicht. Eine großer Veränderung werden wir nicht gleich direkt erreichen, aber wenn jeder bei sich selbst anfängt und die Augen aufmacht, dann können wir viel erreichen.