Mein Kind ist anders – die Elternperspektive

Über die sonstige Aufmerksamkeitsstörung, ähnlich ADS/ADHS, unseres Kindes habe ich bereits berichtet. Aber wie ist das eigentlich als Elternteil? Denn nicht nur für das Kind ist eine Andersartigkeit, wie auch immer sie ist, eine Belastung, sondern es kann auch schnell zur Belastung der Eltern und gar der kompletten Familie führen.

Bei Beeinträchtigungen und Störungen wie ADS, ADHS, Autismus, Asperger Syndrom, Hochsensibilität und einige andere ist die Beeinträchtigung nicht von Geburt an klar und deutlich erkennbar. Zudem gibt es zahlreiche Unterformen, Überschneidungen und Spektren besagter Krankheiten. Ja, es sind Krankheiten, ähnlich einer Sehschwäche, nur das sie andere Auswirkungen haben und meist nicht durch das Tragen einer Brille bzw. das Einnehmen eines Medikamentes verbessert oder geheilt werden können.

Mein Kind verhält sich anders

Irgendwann merkt man als Eltern das etwas mit dem eigenen Kind anders ist. Es verhält sich vielleicht ‚komisch‘. Es ist anders wie gleichaltrige Kinder. Bei uns war es zum Beispiel so, dass unser Kind immer sehr langsam in seinen Ausführungen war. Wir hatten ein Gefühl, das uns sagte: das Kind ist anders, ohne das wir es spezifizieren konnten. Wir planten mehr Zeit ein und übten uns in Geduld. Irgendwann sind wir dann doch mit dem Kind zum Arzt. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen.

Motivationstag 1

Was tun, wenn ich einen Verdacht habe

Was ist zu tun, wenn man als Elternteil bemerkt, das das eigene Kind sich anders verhält als die gleichaltrigen Spielkameraden? Der erste Weg sollte zum Kinderarzt führen.  Im Idealfall kennt dieser euer Kind schon von Geburt an und nimmt sich Zeit für einen Gesprächstermin.

Und dann wird es meist schwierig und langwierig. Kind und Eltern brauchen einen langen Atem und gutes Durchhaltevermögen. Nicht jegliche Andersartigkeit, Langsamkeit oder Hibbeligkeit hat eine krankhafte Ursache. Ihr könnt im Vorfeld schon einmal selbst euch und euren Alltag reflektieren:

  • Wie ist unser Tagesverlauf strukturiert?
  • Haben wir klare Regeln im Alltag?
  • Zeigte mein Kind schon immer diese Auffälligkeit oder gab es einen bestimmten Zeitpunkt für die Veränderung?
  • Gibt es bestimmte Situationen, in denen mein Kind anders reagiert?
  • Woran mache ich die Andersartigkeit fest? Könnte es vielleicht auch einfach ein Charakterzug sein? Eine Phase des Älterwerdens?
  • Gibt es ähnliche Verhaltensweisen bei nahen Verwandten?

Die Fachärzte wie Kinder- und Jugendpsychologen und -psychiater und auch die sozialpsychologischen Zentren (SPZ) sind leider sehr überlaufen und man muss sich auf längere Wartezeiten einstellen. Toll ist es, wenn sich dann beim Ersttermin der Arzt Zeit nimmt und viele Fragen stellt, aber auch den Eltern und besonders dem Kind Raum gibt selbst zu erzählen. Ich fande es damals sehr gut, dass der zuständige Psychologe schon beim ersten Termin sagte: „Ich werde sie heute nicht mit einer Dignose nach Hause schicken, sondern wir werden in umfangreichen Diagnostikterminen erst einmal ihr Kind kennenlernen.“

Diagnostik ist wichtig, eine Diagnose nicht immer eindeutig

Natürlich will man als Eltern wissen was mit seinem Kind ist, aber nur eine langsame und gründliche Diagnostik führt in dem großen Feld der psychischen Störungen zu einem (Teil-)Ergebnis. Und wenn ihr Pech habt wie wir, dann bekommt man eben keine eindeutige Diagnose, weil es eben nicht eindeutig ist. Die Problematik besteht dann allerdings darin, dass den Schulen und anderen Institutionen begreiflich zu machen und diese etwas uneindeutige Diagnose dennoch anzuerkennen.

Nach der Diagnose geht der Marathon erst recht los. Die Diagnose alleine macht das Kind nämlich nicht zu einem anderen Kind. Unser ruhiges, verträumtes Kind wird nicht durch ein Medikament oder durch eine Therapie nun zu einem aufbrausenden, lebhaften Rabauken und andersherum eben auch nicht. Die Diagnose erleichtert das Therapieverfahren.

Was fehlt ist Unterstützung ohne langes Betteln

Was mir persönlich wirklich fehlt ist Unterstützung im Alltag.  Momentan sehen wir den zuständigen Psychologen alle 6 Monate zu einem kurzen Gespräch. Mehr nicht. Leider müssen wir uns als Eltern engagieren, wenn wir Hilfe oder weitere Therapien für unser Kind möchten. Niemand zeigt einem dort ist eine Selbsthilfegruppe, hier können sie eine Kur beantragen, dort können sie Hilfe im Alltag beantragen oder die einfache Frage nach einer Unterstützung im Alltag durch z. B. weitere Ergotherapie oder eine Möglichkeit einer Auszeit für die Familie vom Alltag.

Häufig stoßen wir als Familie im Alltag an unsere Grenzen. Ein Kind mit einer psychischen Störung in der Familie zu haben und zu betreuen, ist eine Belastung für die komplette Familie. Es betrifft eben nicht nur das Kind selbst, sondern auch uns Eltern und auch die Geschwisterkinder. Für mich bleibt wenig Zeit im Alltag selbst. Unser Kind braucht eine Betreuung bei seinen Hausaufgaben, die durch sein verlangsamtes Arbeitstempo länger als gewöhnlich dauern. Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Regeln ist unabdingbar. Leider aber gar nicht so einfach umsetzbar, denn mit drei Kindern ist ja doch immer etwas anderes Unvorhersehbares. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, die viel Kraft erfordern. Natürlich sind Auseinandersetzungen mit Kindern normal und doch ist das hier so manches Male eine ganz andere Dimension. Ich denke da auch an andere Störungen und Situationen, die für alle Beteiligten schnell zur Überforderung führen. Konsequenzen soll das Fehlverhalten haben, aber wie diese umsetzen und immer wieder die Frage: Hat das Kind in diesem Moment bewusst gehandelt oder sich von inneren Impulsen steuern lassen?

Schmetterling entdeckt

Unterstützung und Verständns, zwei Wünsche meinerseits

Dann sitzt man da und weiß nicht weiter. Was ist zu tun? Wie kommen wir aus der Situation heraus? Wer kann uns helfen? Fragen, die ich so nicht beantworten kann, denn es geht ja nicht nur uns so, sondern vielen mit Kindern mit Besonderheit und es ist sehr individuell. Doch ist es eben nicht so offensichtlich für andere zusehen, dass Hilfe benötigt wird. Ein gebrochenes Bein ist da viel sichtbarer und auch zeitlich begrenzter. Als betroffenes Elternteil wünsche ich mir Unterstützung und Verständnis für mich als Mutter/Vater, aber auch für mein besonderes Kind und seine Geschwister. Ganzheitliche Therapieansätze seitens des Gesundheitssystem sowie klar erkennbare Unterstützungs- und Hilfemöglichkeiten für uns als Familie. Seitens der Gesellschaft wünsche ich mir Verständnis, Zeit und mal ein hast du Lust auf einen Kaffee, denn sich mal den Frust von der Seele reden tut häufig schon ganz gut.

Gebt als Eltern besonderer Kinder nicht auf. Holt euch Hilfe, wenn ihr sie benötigt. Bleibt hartnäckig bei Ärzten und Therapeuten und fragt gezielt nach, denn ansonsten bekommt man nicht immer die Informationen, die so hilfreich wären.

Als Tante, Onkel, Oma, Opa, Freund oder Freundin bietet eure Hilfe an. Unternehmt vielleicht mal etwas mit dem besonderen Kind, damit die Eltern exklusive Zeit für das/die Geschwisterkind/er haben oder einfach nur durchatmen können. Ladet zum Kaffee ein oder zum gemeinsamen Spaziergang und habt ein offenes Ohr. Seid verständnisvoll und nicht allzu kritisch mit den Eltern, denn das sind auch nur Menschen, die vielfach sich am Rande ihres Leistungsvermögens befinden.

 

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Ein Tag ohne mich – Weltfrauentag – meine Sicht

Der 8.März 2017. Es ist Weltfrauentag. Wir Frauen werden aufgefordert heute unsere Arbeit niederzulegen und zu streiken. Generalstreik. Für Frauenrechte und gegen Diskriminierung. Hier und auf der ganzen Welt. Alternativ ein Blogartikel zum Thema #eintagohnemich und trage die Farbe rot, als Zeichen der Solidarität mit allen streikenden Frauen heute.

Streiken? – Ich?

Was soll es bringen, wenn ich einen Tag lang streike? Wird die Welt davon zusammenbrechen? Wird sich dadurch etwas ändern? Wohl eher kaum und auch hier zuhause klappt ein Tag ohne mich durchaus. Erst am Montag war es so, dass der Mann meinen Part am Tag übernommen hat, während ich mich mit meiner Klausur abgemüht habe. Das ist möglich bei uns, auch wenn man schon zugeben muss, dass vieles dennoch liegen bleibt. Wie die Wäsche, die zwar in die Maschine geräumt wurde und gewaschen wurde, aber leider dann nicht mehr in den Trockner gewandert ist und von gebügelt und gefaltet und in die Schränke geräumt will ich gar nicht von sprechen und der 2. und 3. nötigen Maschine. Die Welt bricht aber nicht zusammen, wenn es um einen Tag geht. Eine Woche, ein Monat, das wäre etwas anders. So lange kann der Mann nicht der Arbeit fernbleiben, unsere Existenz wäre massiv gefährdet und eine (kurzfristige) Betreuung für solch einen Zeitraum nicht einfach organisierbar, wenn überhaupt. Ich sehe da keine Möglichkeit.

Doch es geht um mehr, als um das was ich hier tue. Es geht um das große Ganze, um nicht weniger. Anerkennung und Akzeptanz von Frauen und ihren Leistungen für die Gesellschaft. Bei uns ist es wie bei vielen anderen auch die Frau, sprich ich, die sich um die Kinder, den Haushalt, Freizeit und vor allem um Organisation des Ganzen kümmert. Natürlich übernimmt der Mann respektive der Vater auch einen Teil, doch den größten Teil des Tages ist er auf seiner Arbeitsstelle und somit außer Haus. Wäre die Situation andersherum, ich bin mir sicher er würde Haushalt, Kinder, Freizeit und Co auf seine Weise ebenso meistern. Wenn ich so wie heute nachmittag arbeite, dann sorge ich für die Kinderbetreuung und werde teils noch müde dafür belächelt, dass ich das was ich da tue auch noch Arbeit nennen. Traurig.

Warum sollte ich also heute streiken oder mindestens mich einsetzen für Frauenrechte, Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung? Weil es mich traurig macht, dass genau diese beschriebene Carearbeit meist der Frau zugeteilt wird und selten eine Anerkennung bekommt. Nicht innerhalb der Partnerschaft, sondern von Seiten der Gesellschaft, der Großeltern, der Nachbarn, ErzieherIn, der LehrerIn, der TherapeutIn, der Arbeitgeber, der Politiker, der Freundin/des Freundes etc.

Im Lebenslauf Kinder nennen?

Erst vor wenigen Tagen habe ich eine Diskussion auf Facebook verfolgt, in der es darum ging, ob eine 40jährige Frau mit akademischen Titel in ihrem Lebenslauf ihr Kind sowie das Alter (ihres und das des Kindes) angeben sollte oder nicht. Ähm was ist das bitte für eine Frage? Für mich würde sie sich nicht stellen. Bisher!
Denn die Diskussion mit einigen PersonalerInnen zeigt, dass das sehr wohl ausschlaggebend sein könnte und auf Grund des Kindes die Stelle nicht bekommen würde. Für den potentiellen Arbeitgeber steht häufig fest: Wer als Frau Kinder hat, der ist häufig nicht flexibel und häufiger krank oder fehlt häufiger, weil die Mutter sich ums Kind dann kümmert muss. Einem Mann würde dieses nicht angelastet. Hey, dass ist unfair!

Was kann das für mich bedeuten?

Da stellt sich schon für mich die Frage: wenn ich mich demnächst bewerbe, gebe ich dann meine Kinder an und ihr Alter? Denn dann ist klar ersichtlich, dass ich früh schwanger geworden bin (Kann die nicht verhüten? Die war doch viel zu jung.) Und wie will sie das mit drei Kindern machen? Ständiges Fehlen können wir uns nicht leisten, also gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einladen?!
Aber wenn ich sie nicht angebe, wie erkläre ich die große Lücke zwischen Ausbildung, Studium und Arbeitssuche? Die längere Studienzeit könnte mir dann auch nachteilig angelastet werden.

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Gegen Diskriminierung, mehr Toleranz!

Diskriminierung ist also doch auch 2017 immer noch überall zugegeben und wir sollten uns dagegen auflehnen. Einen Generalstreik halte ich nicht für sinnvoll, aber die Möglichkeit die Öffentlichkeit auf Diskriminierung und Unrecht immer wieder zunutzen, auch nicht verstreichen. Also Frauen dieser Welt kämpft für unsere Rechte und gegen Diskriminierung (egal ob von Frauen, Kindern, Andersdenkenden) Für eine tolerantere Welt. Für eine breitere Öffentlichkeit sammelt das feministische Netzwerk alle Beiträge. Danke dafür.

Unsere Welt, unsere Gesellschaft muss toleranter werden und sich gegen jegliche Diskriminierung wehren.  Auch wenn ich vieles nicht verstehe und noch viel mehr für mich selbstverständlich erscheint, so ist es das leider nicht. Eine großer Veränderung werden wir nicht gleich direkt erreichen, aber wenn jeder bei sich selbst anfängt und die Augen aufmacht, dann können wir viel erreichen.

Plastikfrei oder müllfrei leben als Familie?

In der Bloggerwelt, aber auch in den Medien können wir hin und wieder lesen, dass wir viel zu viel Müll produzieren. Unsere Plastikabfälle vermüllen zunehmend die Meere und gefährden die Tierwelt und letztlich uns selber. Bei uns kam deshalb die Frage auf: Können wir als Familie es schaffen müllfrei und plastikfrei zu leben?

Ist-Situation

Momentan kommen wir auf 2 – 3 gelbe Säcke alle zwei Wochen, die Restmülltonne und die Papiertonne sind alle 4 Wochen gut gefüllt und auch die Biomülltonne ist häufig alle 2 Wochen gut gefüllt. Das ist ganz schön viel Müll und sicher lässt sich davon eine Menge vermeiden.

Voraussetzungen

Fünfköpfige Familie, wohnhaft in einer Kleinstadt im Münsterland, schmales Budget mit ca 220 € wöchentlich für Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung und Co., kleiner Garten und einem kleinen Marktangebot im Ort.

Inspirationsgeber

Es gibt wunderbare Beispiele im Netz, die zeigen, dass weitestgehend müll- und plastikfrei zu leben möglich ist. Gerade auf Instagram folge ich drei ambitionierten, tollen Frauen, die es tagtäglich schaffen. Um mir selbst ein Bild davon zu machen, habe ich Maria von @zerowaste_munster im Oktober 2016 getroffen. Den Bericht zum Treffen mit ihr lest ihr schon bald hier. Die liebe Nadine von @gottalove.zerowaste werde ich jetzt im Januar treffen und dann euch auch gerne von diesem Treffen berichten. Die dritte im Bund ist @ms101things, die mich durch ihre Konsequenz echt beeindruckt.

Familientauglich?

Und doch bleibt die Frage, ob das alles auch als Familie machbar ist und dazu noch hier aufm platten Land. Denn alle drei wohnen in größeren Städten, die zum Teil einen gut sortierten Markt haben oder/und einen erreichbaren Einkaufsladen, in dem man verpackungsfrei einkaufen kann, haben. Diese Voraussetzung habe ich hier nicht. Doch so schnell will ich gar nicht aufgeben. Zumindest unseren Müll zu reduzieren und Alternativen zu finden, das soll doch möglich sein.

Wer kennt tolle Alternativen?
Wer hat Tipps für uns?
Was sollen wir auf jeden Fall ausprobieren?

Es ist ein Privileg dabei zu sein

Ein Privileg dabei zusein

Ich sitze hier an meinem Schreibtisch. Ein Ferienmorgen für die Kinder, ein Arbeitsmorgen für mich. Die Sonne scheint, aber langsam zieht ein Gewitter auf. Es fängt an zu Donnern. Was für Ferien!

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Vom Wetter kann es nicht kommen und der Unikram bringt einem auch eher nicht zum Lachen. Was ist es dann? Es sind die Kinder. Sie sitzen unten im Wohnzimmer. Meine Tür steht offen. Ich kann sie hören. Sie schauen sich unsere Fotobücher an. Entdecken wie wir uns alle verändert haben.Die Große erklärt den Jüngeren was passiert ist, wer das da ist und was sie schon gemeinsam erlebt haben. Mir geht das Herz auf (und draußen derweil die Welt unter).

Es wird mir etwas bewusst: Es ist ein Privileg jemanden so lange schon auf seinem Weg begleiten zu dürfen. Ich darf dabei sein wie sie ihre ersten wackeligen Schritte gemacht haben. Zum ersten Mal die Nordsee auf der Haut gespürt haben. Der erste Schnee. Wie sich ihre Einstellung zum Gewitter verändert haben: Mit drei hat die Große fasziniert am Fenster in der Dachgeschosswohnung gestanden und jeden einzelnen Blitz und Donner bejubelt. Heute mit zwölf weiß sie um die Gefahren und das macht sie ängstlicher, auch wenn noch immer die Blitze und die Naturgewalt sie faszinieren. Nur anders eben.

Alle drei zusammen. Friedlich. Nicht immer, aber gerade.
Aber selbst die Streitereien, Missverständnisse und Geschwisterkämpfe gehören dazu. Als Mutter nicht immer gut auszuhalten und doch lernen sie so viel davon. Ich darf dabei sein. Ihnen hin und wieder eine Hilfestellung geben, aber sie müssen alleine ihren Weg gehen. Jeder für sich. Und wir Erwachsenen tun gut daran, wenn wir helfen, wo Hilfe erwünscht ist, aber auch loslassen und sie selbst ihre Erfahrungen machen lassen. Wir können sie nicht beschützen und ihnen unsere Erfahrungen aufzwingen. Viel mehr können wir voneinander lernen.

Ich bin immer wieder total begeistert wie der Herr des Hauses den Basketball in den Korb befördert. Hey, dass will ich auch können. Singen liebe ich, können kann ich es nicht wirklich, auch wenn ich immer wieder um „Nachhilfe“ bei der Großen bitte *lach*. Sie sagt dann aber eher: Mama, man kann nicht alles können und das mit dem Singen wird nix.“ Tja, schade. Oder aber die Fröhlichkeit der Kleinsten, ob sie sich diese bewahrt bis ins hohe Alter? Ich würde es ihr wünschen.

Es ist ein Privileg bei ihrem Aufwachsen dabei zu sein!
Ich bin unendlich dankbar dafür (auch wenn die Ruhe da unten bestimmt gleich vorbei ist. Aber das gehört dazu!)

Ein Privileg dabei zu sein

Wenn dürft ihr schon länger begleiten?
Und was gefällt euch an der Person besonders?
Habt ihr Wünsche für die Person?
Was fällt euch schwer im Hinblick auf das Begleiten?

Mittwochs mag ich dies, aber auch an jedem anderen Tag ist es ein Privileg. Doch heute mag ich es bei Frollein Pfau verlinken.

„Und wie geht es Ihnen?“

Mit dem Sohn sind wir schon länger in psychologischer Behandlung. Wir empfinden das nicht als Makel und gehen ganz offen damit um. Er ist toll und genau so wie er ist, ist er unser herzallerliebster Sohn. Auch wenn es manchmal schwierig ist und uns fordert. Wir können das gut akzeptieren und freuen uns, dass es die Möglichkeiten gibt und wir nicht alleine damit sind.

Zur Therapie des Sohnes gehören auch regelmäßige Elterngespräche und der Blick, was im Elternhaus so los ist. Denn meist gehen gerade Aufmerksamkeitsstörungen und Einnässen mit Problemen und Stress im Elternhaus einher. Prinzipiell ist es bei uns recht harmonisch, aber eben nur prinzipiell. Es gibt diese Tage, die Momente, in denen es so gar nicht harmonisch und ausgeglichen ist und gerade wir Eltern einfach nur angespannt sind. In letzter Zeit ist das natürlich erst recht so gewesen. Wir fünf haben alle eine Menge zu verarbeiten. Das geht nicht spurlos an uns vorüber und so verwunderte es kaum, dass wir gerade bei unserem Sohn Rückschritte erlebten. Das ist nervig und doppelt anstrengend, aber für uns nachvollziehbar. So sieht es auch die Psychologin.

„Wann tun Sie etwas für sich?“

Das Elterngespräch hat zwischen ihr und mir stattgefunden, weil ich diejenige bin, die die meiste Zeit und den Alltag mit den Kindern verbringt. Mir ist dabei nochmal viel bewusster geworden wie sehr sich meine Laune und mein Stress auf die Kinder auswirkt. „Wie geht es Ihnen dabei?“ „Hatten Sie Zeit zum Trauern?“ „Wann tun Sie etwas für sich?“ Fragen, die ich nur schweren Herzens beantworten kann. Denn Zeit zum Trauern blieb bisher nicht. Zeit, in der ich etwas für meine Seele und meine Ausgeglichenheit tun kann, ist non existent.

Der Akku ist leer

Schon Tage vorher habe ich gemerkt, dass ich platt bin. Der Akku ist leer. Ich kann nicht mehr. Am liebsten würde ich mich ins Bett legen und schlafen, ein Buch lesen oder einfach so da sitzen und nichts tun. Einfach nur nichts tun.
Geht natürlich nicht! Noch immer liegt der Schreibtisch mit Briefen, Anträgen und Darstellungen voll, die sich rundum meine Eltern drehen. Belastend ist es alle mal, auch wenn ich die Entscheidung die Betreuung für meine Mutter zu übernehmen nach wie vor nicht bereue und es jederzeit wieder tun würde. Viel Arbeit ist es dennoch. Dazu der normale Alltagswahnsinn. Der Mann hat eine neue Stelle – schön für ihn, doof für mich, weil ich nun noch länger alleine mit den Kindern bin und den Alltag mit all seinen kleinen und großen Problemen liegt nun in meiner Hand.
Dazu die VHS-Kurse, die ich wirklich gerne gebe, die aber eben auch Arbeit sind.Studium, was ist das eigentlich? An ganzen drei Tagen in den letzten 8 Wochen konnte ich in meine Unterlagen schauen. Wie soll das gehen?
Der Stress wirkt sich aus. Meine Nerven sind dünner, der Geduldsfaden kürzer. Kraft, um endlich mal in einem schon lange schwelenden und sehr belastenden Konflikt voranzukommen, habe ich nicht. Gespräche und Ratschläge von meinen Eltern fehlen mir. Ich fühle mich oft ziemlich allein. Die Familie des Mannes, die vor Ort ist, können oder wollen nicht. Ratlos. All die Last liegt momentan auf meinen Schultern. Unterstützung gibt es gerade nicht.

Allein. Ratlos. Hilflos.

Es täte so gut, mal mit jemanden darüber zu reden und vielleicht sogar etwas Unterstützung zu bekommen. Doch es muss so gehen (ansonsten schreib ich halt noch nen Blogartikel. *Galgenhumor*). Kopf hoch und anpacken. Denn das Elterngespräch hat deutlich gezeigt, dass sich etwas ändern muss. Meine Kinder dürfen unter meiner Belastung nicht leiden. Sie haben eine glückliche Kindheit verdient und sollen mit Freude ins Leben gehen. Neue Aufgaben stehen der Kleinen bevor, weil sie bald in die Schule kommt. Dafür braucht sie eine starke Mama. Die Große wird demnächst fünf Tage alleine in ein Feriencamp zum Kreativen Schreiben gehen. Dafür braucht auch sie eine starke Mama, die ihr den Rücken stärkt, dass sie das gut macht. Und der Sohn braucht so oder so eine starke und geduldige Mama, um seine eigenen Probleme in den Griff zu bekommen.

Hoffnungsvoll in die Zukunft

Meine Kinder brauchen mich als eine starke und vor allem ausgeglichene Mama. Mut schöpfen und Kraft tanken – unsere Vorsätze für die baldigen Ferien. Pläne schmieden und sich neu aufstellen. Einmal alles überdenken. Freiräume schaffen oder zumindest alles Liegengebliebene abarbeiten. Den Schreibtisch leer arbeiten und dann mit neuem Elan starten. Vielleicht klappt es noch mit der Klausur im September. Nein, es muss klappen, auch wenn das Stress bedeutet. Doch wenn ich diese Klausur endlich hinter mir habe, dann ist der Abschluss in greifbarer Nähe.

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[Buch]“Und was jetzt?“

Bärbel Kerber hat mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar ihres Buches „Und was jetzt?“ zur Verfügung gestellt. Sie behandelt ein spannendes Thema darin wie der Untertitel „Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ schon verrät.

Das Buch

Die Thematik Beruf, Karriere, Kind ist keine neue und doch ist sie immer genau in dem Moment spannend, indem man als Frau oder auch als Paar genau vor dieser Entscheidung steht. Was spricht für ein Kind? Was spricht für eine Karriere? Lassen sich Beruf und Kind vereinbaren? Kann ich auch ohne Kinder glücklich werden? Fragen, auf die es keine universelle Antwort gibt. Jeder Mensch ist unterschiedlich und jeder Lebensweg ist unterschiedlich. Ich kann da nur von meinem Lebensweg und meinen Erfahrungen berichten und kenne die Geschichte meiner Eltern. Deshalb fande ich es spannend, dass Bärbel Kerber die Thematik von den unterschiedlichen Perspektiven der Karrierefrauen, der Familienmütter, der arbeitenden Mütter, der Alleinerziehenden geschrieben hat. Man bekommt einen Einblick darin, welche Gedanken sich Frauen machen. Immer wieder unterstreicht sie ihre Aussagen durch Zitate aus einer Befragung von Frauen. Dies lässt das Buch authentisch wirken und zeigt lebhaft die Gefühlswelten, die teils in absolutes Chaos ausbrechen können.

Und doch beschränkt sich das Buch nicht nur auf die Gefühlswelt der Frau, sondern veranschaulicht auch die Arbeitswelt. Appelliert an unsere Gesellschaft flexibler zu werden und sich familienfreundlicher aufzustellen. Sind heutige Arbeitsmodelle wirklich mit einer Familie vereinbar? Jein, denn es ist stark Job und Arbeitgeber abhängig. Und auch die Betreuungssituationen haben sich in den letzten Jahren schon deutlich verbessert, sind aber immer noch nicht perfekt. Aber werden sie es jemals sein?

Eigene Erfahrungen

Ich kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen. Unsere älteste Tochter ist 12 Jahre, ungeplant aber herzlich willkommen. Wir leben in einer Kleinstadt im ländlichen Münsterland. Vor zehn Jahren gab es noch keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei und erst recht nicht unter zwei Jahren. Der Arbeitsmarkt war überfüllt und für eine Mutter mit Kleinkind ohne familiäre Unterstützung war es nicht möglich arbeiten zugehen. So bin ich drei Jahre zu Hause geblieben und dann kam Nummer zwei auf die Welt. Im Jahr darauf bin ich mit dem Studium an der Fernuniversität in Hagen angefangen, um wenigstens etwas zu tun und mein Traum eines Studiums auch mit Kind bzw. mittlerweile zwei Kindern mir erfüllen zu können. Ein Präsenzstudium war nicht möglich. Die Betreuungsmöglichkeiten war nicht da. Der Sohn war dann der erste Jahrgang, der mit zwei Jahren in den Kindergarten kam. Ich studierte weiter, bekam noch Kind Nummer drei.
Als die Tochter dann in die Schule kam, war da der Ganztag nur für wenige Kinder ausgebaut. Doch hier entwickelte sich etwas. Heute ist es so, dass ich immer noch studiere. Das kleinste Kind nun in die Schule kommt. Nebenbei gebe ich VHS-Kurse.

Die Möglichkeiten Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen haben sich verbessert im Gegensatz zu vor zehn Jahren und doch bleibt es ein Spagat wie auch Bärbel Kerber beschreibt. Als Paar müssen wir stets gut planen wer wann die Kinder abholt und betreut. Wir nutzen keinen Ganztagsplatz, sondern bisher nur die längere Betreuung im Kindergarten, die dann ab dem Sommer mit der Schule entfällt. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass man sich einen Ganztagsplatz im Hort auch erst einmal leisten können muss. Zudem haben wir ein besonderes Kind, welches mehr Aufmerksamkeit benötigt und Therapien bekommt, zu denen wir es bringen müssen. Es ist immer ein guter Plan und viel Flexibilität und Spontanität gefragt, um den Familienalltag mit drei Kindern und dem Beruf meines Mannes, mein Studium sowie meine Dozententätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Für mich stellt sich die Frage, ob es immer die Karriere sein muss? Ich bin schon zufrieden, wenn ich demnächst eine adäquate Arbeitsstelle bekomme, die im Idealfall unser Haushaltsbudget aufstocken lässt und wir uns einen Urlaub im Jahr leisten können. Denn wer sich für die Familie entscheidet hat auch immer finanzielle Einbußen. Uns hat das bisher wenig ausgemacht, aber auf Dauer ist es dann auch keine Lösung.

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Das Fazit

Ich kann das Buch jedem empfehlen. Ob Frau, ob Mann, ob Mitte zwanzig oder Ende fünfzig. Es zeigt die unterschiedlichen Perspektiven und regt zum Nachdenken an. Es ist Bärbel Kerber gelungen in ihrem Buch den Spagat zwischen den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten von Frauen darzustellen und für eine offener, tolerantere und familienfreundlichere Gesellschaft zu werben.
Wenn ich nun vor der Entscheidung stünde, Kind ja oder nein, was würde ich machen? Das ist nicht einfach, aber viele in meinem Alter (34) stehen genau jetzt davor. Ich wünsche euch viel Kraft und den Mut eure Entscheidung zu leben. Egal ob du dich für ein Kind oder gar mehrere Kinder entscheidest oder für den Beruf und die gewollte Kinderlosigkeit, stehe dazu und lass dich nicht beirren, aber vergiss nicht deinem Partner mit in deine Entscheidung einzubeziehen. Ansonsten ist die Beziehungskrise meist leider vorprogrammiert, wobei schon wieder eine neue Facette geöffnet wird.
Vergesse mag ich auch nicht die Paare, die gerne Kinder bekommen würde, es leider aber nicht möglich ist. Redet miteinander. Ihr werdet euren Weg finden, ob mit einem angenommenen Kind, keinem Kind oder als besondere Tante oder besonderer Onkel. Das Leben ist immer für eine Überraschung gut.

[P52] #10 Hoffnungsschimmer

Eine Rose.
Einsam und verlassen am Strandufer.
Einsam zwischen verdorrten Grashalmen.
Auf kaltem Beton.
Die See rauscht.
Der Wind pfeift umher.

Eine Rose.
Leuchtend rot.
Zaubernd ein Lächeln aufs Gesicht.
Ein Farbklecks im Grauenallerlei.

Eine Rose.
Fantasie beflügelnd.
Was ist geschehen?
Ein Heiratsantrag? Romantisch an der Nordsee?
Ja oder nein?

Eine Rose.
Am Strand.
Gott verlassen und einsam.
Und doch voller Hoffnung auf Leben.
So rot.
So lebendig.

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